Ökostrom ist nicht gleich Ökostrom

Nachdem nun fast alle lokalen Zeitungen vermutlich eine Pressemitteilung der Siegener Versorgungsbetriebe (SVB) nahezu unverändert (WAZ, Siegerland Kurier, Siegener Zeitung hinter Paywall) abgedruckt haben, brennt mir ein Thema doch etwas unter den Nägeln.

Es geht um das Thema Ökostrom. In den Artikeln wird beschrieben, dass die SVB durch eine rückwärtslaufende Pumpe reinen Ökostrom erzeugen. Die Logik dahinter ist, dass Energie aus Wasserkraft ja zu den “sauberen” Energien gehört und damit ist es Ökostrom. Prinzipiell ist das auch richtig; Wasserkraft in Form von Laufwasserkraftwerken ist eine saubere Energieform, die auch zu den erneuerbaren gezählt wird. Man muss hier jedoch fein unterscheiden. Energie aus einem Pumpspeicherkraftwerk, was ja auch mit Wasser als Energieträger arbeitet, muss nicht zwangsläufig erneuerbare Energie sein. Weiterlesen

Der nicht messbare Klimawandel

In den letzten 10 Jahren, so las ich neulich in einem Beitrag von Gerd Probst in der Siegener Zeitung, hat sich das Klima nicht erwärmt. Zufällig stolperte ich bei DRadio Wissen über die Quelle dieser Behauptung. Klimaskeptiker wie Probst geben ja im Normalfall die Quellen nicht an, damit man nicht die Intention der ursprünglichen Aussagen erkennen kann, die sie selbst aus eben diesem gerissen isoliert für ihre kruden Argumentationen brauchen. Auch in diesem Fall ist es so.

Robert Kaufmann, Professor für Geografie und Umwelt an der Boston University, sagte gegenüber DRadio Wissen:

Die chinesische Wirtschaft ist zuletzt enorm gewachsen, um rund zehn Prozent jährlich. Es ist ein Aufschwung, wie ihn der Westen nach dem Krieg erlebte. Als Folge davon hat sich der Verbrauch von Kohle in China zwischen 2003 und 2007 glatt verdoppelt.

Dies stützt prinzipiell ja Probsts Aussage. Schaut man sich jedoch den Zusammenhang an, sieht es plötzlich ganz anders aus.

Nach dem Zweiten Weltkrieg erlebten Nordamerika, Europa und Japan ein kräftiges Wirtschaftswachstum. Zu dieser Zeit gingen die Kohlendioxid-Emissionen mächtig in die Höhe. Gleichzeitig nahm aber auch der Ausstoß von Schwefel stark zu. Das wirkte der Erwärmung durch CO2 in den 50er-, 60er- und frühen 70er-Jahren entgegen.

Und im Bezug auf das chinesische Wachstum sagt er weiter:

Entsprechend [des gesteigerten Kohleverbrauchs] gingen die Schwefel-Emissionen hoch, und ihre kühlende Wirkung hat den Treibhauseffekt durch Kohlendioxid weitgehend aufgehoben.

Und so wird wieder einmal klar, wie die Klimaskeptiker ihre Argumentationen aufbauen. Doch übertragen wir die Argumentation auf einen anderen Bereich:

Ein Lebensmittelgeschäft hat Probleme mit Ladendiebstahl. Als Reaktion darauf wird das ganze Geschäft mit Videokameras überwacht. Nun geht jedoch der Ladendieb her und steckt nach seinem Diebstahl das Lebensmittelgeschäft in Brand, um die Aufnahmen der Videoüberwachung zu zerstören. Gleichzeitig wird damit der Ladendiebstahl kaschiert. Der Klimaskeptiker würde nun behaupten, dass Videoüberwachung Ladendiebstähle verhindert. Dass allerdings die Videoüberwachung die Ursache für die Brandstiftung ist, die ihrerseits nur den Ladendiebstahl “versteckt”, erschließt sich nicht auf den ersten Blick.

Ähnlich verhält es sich mit dem Klima. Durch die Emission von extrem schädlichen Schwefelpartikeln, die in der westlichen Welt aufgrund ihrer Gesundheitsgefahren längst durch entsprechende Filter aufgefangen werden, wird die globale Temperatur gesenkt. Wird China seine zukünftigen Kraftwerke mit Filtern ausstatten oder nachrüsten und wird der Schwefel in der Atmosphäre abgebaut, bleibt nur noch das CO2. Und in diesem Fall wird es zu einem mehr oder weniger plötzlichen, dafür aber extremen Anstieg kommen. Denn nun schlägt sich sowohl das neu emittierte als auch das bisher kaschierte Treibhausgas in der Bilanz nieder, ohne das der dämpfende Schwefel dem entgegen wirkt. Aber bis es soweit ist, haben die Klimaskeptiker wirksame Maßnahmen verhindert.