Krautfäule und faule Kräuter

Gestern war ich zu Besuch im Greenspace aka Hammergarten aka Stadtteilgarten 1 aka ??? Ich hatte per Mailingliste angeboten, einige meiner grünen Zebras und Sliwowidnij mitzubringen. Und prompt kam der Hinweis, dass man im Siegerland Tomaten besser erst nach den Eisheiligen raussetzen sollte. Vielen Dank an dieser Stelle an Anna für den Hinweis. Dies zeigt sehr schön, wie eine solche Initiative Menschen zusammenbringt, mit denen man im normalen Leben keinen Kontakt gehabt hätte (Zugegeben, Anna kenne ich flüchtig, aber viele andere, die sich auf der Mailingliste und im Garten tummeln, hatte ich vorher noch nie gesehen). Und es ist auch ein sehr schönes Beispiel dafür, wie ein Stadtteilgarten bereits in der Startphase Wissen streut und vermehrt und auch weitere Wissensvermehrung nach sich zieht. Denn als Reaktion auf mein Tomatenangebot kam auch der Hinweis, dass Tomaten besser nicht in die Nähe von Kartoffeln gepflanzt werden sollten, um Krautfäule zu vermeiden. Aus diesem Hinweis hat sich nun eine Verträglichkeitsliste entwickelt, die im Garten aushängt. Auf dieser kann nun jeder nachlesen, welche Pflanzen sich vertragen und welche man besser räumlich weit getrennt in die Erde bringt. Und wer eine Lücke in der Liste findet, kann diese füllen. Ein analoges Wiki also. Und gleichzeitig ein schönes Beitrag zum Thema Teilhabe.

Energieverein Siegen-Wittgenstein

In Siegen hat sich kürzlich der Energieverein Siegen-Wittgenstein gegründet. Jetzt fragt man sich, was ein Energieverein wohl so tut.

Die Mitglieder des Vereins sind sich ihrer besonderen Verantwortung zum Schutz der Umwelt, der Erdatmosphäre und der Luftreinhaltung in der Region Siegen-Wittgenstein bewusst. Politik, Industrie, Handwerk und Wissenschaft haben wiederholt darauf hingewiesen, dass aktives Handeln im Bereich Gebäudesanierung ein wichtiger Schlüssel für eine nachhaltige Senkung der energiebedingten Umweltbelastungen und damit das Erreichen übergeordneter klimapolitischer Zielsetzungen ist.

Laut Satzung geht es dem Verein also um Klimaschutz. Liest man weiter, bekommt die Sache jedoch ein Geschmäckle.

Für die Mitglieder dieses Vereins sind diese Erkenntnis und die politischen Zielsetzungen Anlass und Maßstab für ein weiterführendes Engagement, dass darauf ausgerichtet ist, die energieeffiziente Sanierung des Gebäudebestands in der Region Siegen-Wittgenstein nachhaltig zu fördern und zu unterstützen.

Es geht also nicht vornehmlich im Klimaschutz, sondern um Gebäudesanierung. Prinzipiell schließt die Sanierung von Gebäuden den Klimaschutz nicht aus. Schließlich besteht im Gebäudebestand ein großes Einsparpotenzial. Allerdings bleibt die Frage offen, warum man dafür einen Energieverein braucht. Dies wird klarer, wenn man sich die Beschreibung des Vereins eines Gründungsmitglieds, der Stadt Siegen, anschaut:

Mit dem Energieverein Siegen-Wittgenstein e.V. ist eine Organisationsform gefunden worden, mit der die Zusammenarbeit von Kommunen mit Handwerk, Industrie, Handel sowie Ingenieurs- und Architektenbüros zur einer festen Einrichtung werden kann.

Es geht also vornehmlich um Wirtschaftsförderung. Dazu passt dann auch die Liste der Gründungsmitglieder. Neben den regionalen Banken, die die Kredite für die Sanierungsprogramme bereitstellen wollen, sind die Innungen für Sanitär, Heizung und Klima sowie Dach, Wand und Abdichtungstechnik vertreten. Gepaart mit dem Baubiologischen Arbeitskreis Gesundheit-Bauen-Wohnen und dem Architekturbüro grünraum sind also alle benötigten Partner bereits im Boot. Und wenn irgendwo Energie draufsteht, darf RWE natürlich nicht fehlen.

Ein illusterer Haufen, der sich hier zusammen gefunden hat, um gemeinsam die eigenen Geschäfte zu fördern. Selbstverständlich nur zum Wohle des Eigenheimbesitzers. Nicht, dass man mich falsch versteht: Es ist eine gute Sache, sich für die energetische Sanierung einzusetzen. Allerdings muss man sich bewusst sein, welche Beweggründe hinter einem solchen Verein stehen.

Und die Beweggründe, einen Lobbyverband zur Sanierung von Altbauten Energieverein zu nennen, erschließen sich mir nicht.

Chance vertan

Die Stadt Siegen wird nicht Nutznießer ihres eigenen Stromnetzes. Statt dessen wird der RWE AG erneut die Konzession zugeteilt. Damit hat die Stadt Siegen abermals die Gewinne aus dem Netzbetrieb einem der großen Oligopolisten geschenkt. Und das ganz ohne Not. Damit dies keine allzu breiten Wellen schlägt, wurde alles geheim gehalten. So konnte erst attac Siegen durch einen konkreten Fragenkatalog an den Rat und die Fraktionen etwas zum Stand der Diskussion erfahren. Sonst wäre überhaupt nichts zu diesem Thema an die Öffentlichkeit gedrungen. Diese Geheimniskrämerei versucht der Kämmerer der Stadt auch gleich damit zu begründen, dass es um “hochsensible Daten” gehe. Hochsensibel ist wahrscheinlich, dass die Stadt selbst Anteile an RWE hält und sich somit vom Wohl des eigenen Vertragspartners abhängig macht. Außerdem hat laut Siegener Zeitung die RWE AG die Arbeitsplätze in der Region mit zur Disposition gestellt, sollte der Konzessionsvertrag nicht zu ihrem Vorteil gereichen. Dies alles verschwieg der Kämmerer hingegen.

Die Inkonsequenz der Atomkraftbefürworter

Heute war ich zu Gast bei einer Podiumsdiskussion der Universität Siege zum Thema Atomkraft. Als Diskutanten waren die beiden Siegerländer Politiker Jens Kamieth (CDU), MdL, und Johannes Remmel (Bündnis 90/Die Grünen), Umwelt- und Klimaschutzminister des Landes NRW, eingeladen. Wissenschaftlich begleitet wurde die Diskussion von Prof. Dr. Dose, Politikwissenschaftler an der Universität Siegen. Auf Grund der Zusammensetzung des Podiums ist klar, dass Herr Kamieth, wie er es selbst sehr schön formulierte, keinen Abend unter Freunden verbringen würde.
Umso erstaunlicher waren dann seine Argumente. Ich hatte erwartet, dass hart an der Sache gefochten wird. Statt dessen versteifte sich Herr Kamieth auf bereits widerlegte Behauptungen aus den vergangenen Jahren und unschlüssige Argumentationslinien. Vollends unglaubwürdig machte er sich jedoch, als er selbst zugab, bereits den Stromanbieter gewechselt zu haben und nur Strom aus Wasserkraft zu beziehen, Atomkraft aber weiterhin zu befürworten.
Dass Herr Kamieth kein ausgewiesener Energiepolitiker ist, ist kein Geheimnis. Aber mit welchen Zweck hat er an der heutigen Diskussion teilgenommen? Er konnte weder etwas zur Sache vortragen, noch war er in dem, was er vortrug, glaubwürdig. Vielmehr stieß er die ernsthaft besorgten Bürger mit seinen flapsigen Bemerkungen vor den Kopf.
Schade, denn hier hätte er, gerade auch als stellvertretender Bürgermeister der Stadt Siegen, Profil zeigen können. Statt dessen verstrickte er sich in unschlüssigen Argumentationsketten und Sprachlosigkeit ob der vorgetragenen Argumente.