Der nicht messbare Klimawandel

In den letzten 10 Jahren, so las ich neulich in einem Beitrag von Gerd Probst in der Siegener Zeitung, hat sich das Klima nicht erwärmt. Zufällig stolperte ich bei DRadio Wissen über die Quelle dieser Behauptung. Klimaskeptiker wie Probst geben ja im Normalfall die Quellen nicht an, damit man nicht die Intention der ursprünglichen Aussagen erkennen kann, die sie selbst aus eben diesem gerissen isoliert für ihre kruden Argumentationen brauchen. Auch in diesem Fall ist es so.

Robert Kaufmann, Professor für Geografie und Umwelt an der Boston University, sagte gegenüber DRadio Wissen:

Die chinesische Wirtschaft ist zuletzt enorm gewachsen, um rund zehn Prozent jährlich. Es ist ein Aufschwung, wie ihn der Westen nach dem Krieg erlebte. Als Folge davon hat sich der Verbrauch von Kohle in China zwischen 2003 und 2007 glatt verdoppelt.

Dies stützt prinzipiell ja Probsts Aussage. Schaut man sich jedoch den Zusammenhang an, sieht es plötzlich ganz anders aus.

Nach dem Zweiten Weltkrieg erlebten Nordamerika, Europa und Japan ein kräftiges Wirtschaftswachstum. Zu dieser Zeit gingen die Kohlendioxid-Emissionen mächtig in die Höhe. Gleichzeitig nahm aber auch der Ausstoß von Schwefel stark zu. Das wirkte der Erwärmung durch CO2 in den 50er-, 60er- und frühen 70er-Jahren entgegen.

Und im Bezug auf das chinesische Wachstum sagt er weiter:

Entsprechend [des gesteigerten Kohleverbrauchs] gingen die Schwefel-Emissionen hoch, und ihre kühlende Wirkung hat den Treibhauseffekt durch Kohlendioxid weitgehend aufgehoben.

Und so wird wieder einmal klar, wie die Klimaskeptiker ihre Argumentationen aufbauen. Doch übertragen wir die Argumentation auf einen anderen Bereich:

Ein Lebensmittelgeschäft hat Probleme mit Ladendiebstahl. Als Reaktion darauf wird das ganze Geschäft mit Videokameras überwacht. Nun geht jedoch der Ladendieb her und steckt nach seinem Diebstahl das Lebensmittelgeschäft in Brand, um die Aufnahmen der Videoüberwachung zu zerstören. Gleichzeitig wird damit der Ladendiebstahl kaschiert. Der Klimaskeptiker würde nun behaupten, dass Videoüberwachung Ladendiebstähle verhindert. Dass allerdings die Videoüberwachung die Ursache für die Brandstiftung ist, die ihrerseits nur den Ladendiebstahl “versteckt”, erschließt sich nicht auf den ersten Blick.

Ähnlich verhält es sich mit dem Klima. Durch die Emission von extrem schädlichen Schwefelpartikeln, die in der westlichen Welt aufgrund ihrer Gesundheitsgefahren längst durch entsprechende Filter aufgefangen werden, wird die globale Temperatur gesenkt. Wird China seine zukünftigen Kraftwerke mit Filtern ausstatten oder nachrüsten und wird der Schwefel in der Atmosphäre abgebaut, bleibt nur noch das CO2. Und in diesem Fall wird es zu einem mehr oder weniger plötzlichen, dafür aber extremen Anstieg kommen. Denn nun schlägt sich sowohl das neu emittierte als auch das bisher kaschierte Treibhausgas in der Bilanz nieder, ohne das der dämpfende Schwefel dem entgegen wirkt. Aber bis es soweit ist, haben die Klimaskeptiker wirksame Maßnahmen verhindert.

Atomkraft spart Kohlenstoffdioxid?

In den letzten Wochen hörte man oft, dass durch ein zu rasches Abschalten der Kernkraftwerke immense Mengen Klimagase ausgestoßen würden. Dazu nur eine kleine Anmerkung: Durch den Emissionshandel wird in der gesamteuropäischen Klimabilanz keine Tonne Treibhausgas mehr ausgestoßen. Höchstens an einem anderen Ort. Tatsache ist aber, dass die großen Vier zukünftig die Zertifikate für die Verschmutzung der Atmosphäre bezahlen müssen und sie nicht mehr geschenkt bekommen. Die Kosten sind schon seit Anbeginn des Zertifikatehandels im Strompreis enthalten, angefallen sind sie bisher aber nicht. Stattdessen schmälert dieser Schritt nun den Konzerngewinn. Da kommt das Angstargument Klimawandel ja gerade recht. Nur ist es leider falsch.

[Update] Gerade lese ich den Artikel „Der Himmel über dem AKW“ von Frank Drieschner. Ich muss leider sagen, dass dieser Artikel zu den schlechteren von Herrn Drieschner gehört. Hätte er sich mit dem Thema auch nur ansatzweise auseinander gesetzt statt fadenscheinige Argumente zu entkräften, wäre er auch auf den Emissionshandel gestoßen. Statt dessen macht er die Anti-AKW-Bewegung für bereits seit Jahren im Bau befindliche Kohlekraftwerke verantwortlich. Ich hoffe, dass in der nächsten ZEIT eine Gegenposition dazu enthalten ist.

Die Argumente der Klimaleugner

Ich bin ja bereits auf die Klimaleugner und deren Argumente eingegangen. Nun gibt es den interessanten Sachverhalt, dass sich einige Klimaleugner tatsächlich die Mühe gemacht haben, sich tatsächlich mit den Fakten auseinander zu setzen. Eine Forschergruppe der Universität Berkeley, das Berkeley Earth Surface Temperature Project, unter der Leitung des bekannten Klimaleugners Prof. Richard Muller hat nachgerechtet:

But Muller unexpectedly told a congressional hearing last week that the work of the three principal groups that have analyzed the temperature trends underlying climate science is "excellent…. We see a global warming trend that is very similar to that previously reported by the other groups."

Wenig überraschend. Immerhin hatten sie genug Rückgrat, zu ihren Ergebnissen zu stehen.

Die Verursacher kommen ungeschoren davon

Eigentlich hat man es schon seit Langem vermutet, aber nun gibt es auch handfestere Belege dafür, dass die Verursacher des Klimawandels größtenteils von dessen Folgen verschont bleiben. Allerdings bin ich ob dieser Fakten etwas beunruhigt. Denn nun werden die Klimaleugner, allen voran die wirtschaftsfreundlichen, noch stärker daran arbeiten, dass in Deutschland keine Anstrengungen gegen den Klimawandel unternommen werden. Schließlich werden wir ja nicht darunter zu leiden haben, wird ihr Argument sein.

Dieser Argumentation muss entschieden begegnet werden. Es ist für einen Rechtsstaat wie Deutschland schon eine immense Peinlichkeit, mit welchem Selbstverständnis wir bisher Geschäfte mit Potentaten in Nordafrika und dem Nahen Osten gemacht haben, um billige Energie zu beziehen. Wenn wir nun auch noch dazu übergehen, diese (und andere) Staaten mit dem von uns verursachten Problem allein zu lassen, haben wir sie ein zweites Mal verraten. Und dies wäre noch beschämender, als unseren eigenen Atommüll unseren Kindern vor die Füße zu schütten, was für sich genommen schon ein moralisches Verbrechen ist.

Wieder ein Argument weniger

Und wieder ist es ein Argument weniger. Den Leugnern des Klimawandels geht es langsam an de Kragen. Eines ihrer Argumente war ja immer, dass die Klimaforscher ihre Daten fälschen würden. Beweisen sollte dies die sogenannte “Climategate-Affäre”. Nun hat das amerikanische Handelsministerium, nicht gerade das Propagandaministerium für den Klimawandel, eine Untersuchung abgeschlossen ([Edit 2015-05-28]Leider ist die Untersuchung nicht mehr Online einsehbar, daher wurde der Link entfernt[/Edit]), in der erneut bestätigt wird, dass es keinen Anhaltspunkt dafür gibt, der Klimawandel sei nur eine Erfindung und alles Wissen darüber beruhe auf gefälschten Daten.

Die „Fakten“ der Klimawandelleugner

Im Internet begegnet man ihnen  sehr häufig, auch auf Informationsveranstaltungen findet man sie gelegentlich. Nur in der wissenschaftlichen Diskussion sind sie nicht präsent. Gemeint sind die Leugner des Klimawandels, die nicht müde werden, eigene Fakten zu erfinden und ihre Behauptungen unter das Volk zu bringen. Dabei können sie keine Belege für ihre Behauptungen anführen. Laut der Meinung der Klimaleugner können die Klimaforscher und Politiker aber auch keine Belege für den Klimawandel anführen. Dabei liegt das daran, dass die Leugner die Fakten nicht anerkennen.

Klimaretter.info, gerade mit dem .info Award 2010 ausgezeichnet, hat daher einige der strittigen Punkt kritisch beleuchtet und den bekannten Fakten sowie der wissenschaftlichen Diskussion gegenüber gestellt.

Klimapolitik aus dem Blickwinkel der Commons

Bisher habe ich die globale Klimapolitik im Speziellen, aber auch die Umweltpolitik im Allgemeinen so angesehen, als wäre es eine völlig neue Herausforderung für die Menschheit. Schließlich sind Probleme mit globalen Ausmaßen noch nicht sehr alt. Als erstes, globales Ereignis werte ich den Beginn der Weltwirtschaftskrise 1929. Alle vorhergehenden Ereignisse, selbst die Pest, waren während eines diskreten Zeitraums immer lokal begrenzt.

Das erste globale Umweltproblem ist demnach die Entdeckung des Ozonlochs Mitte der 1980er Jahre. Bereits 1989 ratifizierten 195 Staaten das Montrealer Protokoll, womit der Einsatz von ozonschädigenden Chemikalien verboten wurde. Gemessen am globalen Ausmaß des Problems wurde erstaunlich schnell eine international verbindliche Einigung erzielt. Die kurze Verhandlungsdauer ist wahrscheinlich auch darauf zurückzuführen, dass die verbotenen Chemikalien weder lebensnotwendig noch wohlstandsschmälernd waren und schnell durch Substitute ersetzt werden konnten.

Vor diesem Hintergrund ist der Klimawandel ein Problem ganz anderen Ausmaßes. Denn hier geht es nicht um Treibmittel in Spraydosen oder Kältemittel in Klimaanlagen. Vielmehr sind hier nahezu alle Bereiche des täglichen Lebens betroffen. Energiegewinnung aus fossilen Energieträgern trägt ebenso zur Klimaerwärmung bei wie die industrielle Landwirtschaft, die Reisegewohnheiten, beispielsweise mit Auto und Flugzeug, aber auch die Konsumgewohnheiten. Damit Äpfel auch im Winter angeboten werden können, müssen diese entweder von der Südhalbkugel zu uns geschafft werden oder sie wurden über Monate hinweg in Kühlhäusern gelagert. Der eine Apfel verursachte beim Transport Triebhausgase, der andere bei der Lagerung. Allgemein ist also festzuhalten, dass durch die extreme Menge an Ursachen das Problem des Klimawandels in solch schwierig zu lösendes Problem ist wie kein anderes zuvor.

Steht man nun als Neuling in der Umweltpolitik vor diesem riesigen Problemberg, wird man förmlich erschlagen von Detaillawinen. Jedes Land, jeder Staatenbund, jede Organisation verfolgt eigene Ziele, fördert eigene Ideen und Projekte, stellt andere Ansprüche an andere Länder, Staatenbünde, Organisationen. Jede Woche werden neue wissenschaftliche Erkenntnisse veröffentlicht. Da bekommt man schnell den Eindruck, dass dies ein Problem ist, dem man eigentlich nicht Herr werden kann. Oder wurde überhaupt in einer anderen wissenschaftlichen Disziplin bisher ein Problem solcher Tragweite behandelt? Bis gestern hätte ich diese Frage verneint.

Commons

In Post Nichts ist von Natur aus Gemeingut: Zur Commonsdebatte bei Linksnet von Silke Helfrich im CommonsBlog stellt sie einen interessanten Sachverhalt dar. Doch kurz ein paar einführende Worte. Commons sind Gemeingüter, also Güter, die einer Gemeinschaft zur freien Verfügung stehen. Ist zum Beispiel eine Dorfwiese, die mehrere Schäfer für ihre Schafherde nutzen. Auf den ersten Blick erschließt sich der springende Punkt nicht, daher will ich die Nutzung der Wiese etwas beschreiben. Die Schäfer gehen nicht einfach dann auf die Wiese, wenn sie Lust haben, sondern sie müssen sich untereinander abstimmen, wer wann auf die Wiese geht. So ist für alle Schäfer gewährleistet, dass seine Schafe nicht verhungern. Schert einer aus diesem System aus und lässt seine Schafe die Wiese leer fressen, stehen alle anderen Schäfer auf dem kahlen Boden. Commons müssen aber nicht nur gemeinsam genutzte Güter sein, sondern können durchaus auch Ansprüche an ihre Nutzer stellen. So könnte die Dorfwiese beispielsweise über einen Zaun verfügen, der von den Schäfern instand gehalten werden muss. Wird der Zaun nicht gepflegt, kann die Wiese nicht genutzt werden.
Beiträge zu Commons kommen mir immer wieder unter und ich lese sie auch immer mit großen Interesse. Allerdings habe ich selbst noch keinerlei Gedankenspiele in Ihre Richtung vorgenommen. Bis mir gestern besagter Artikel unterkam:

[..]Doch nichts wird schon einfach dadurch zum Gemeingut, dass man die Eigentumsform ändert. Commons müssen gepflegt werden.
In gleicher Weise ist nichts ›von Natur aus‹ Gemeingut, wie Gehrig erneut treffend zitiert. Aber sehr wohl gibt es Ressourcen, die aus guten Gründen allen bzw allen Mitgliedern einer bestimmten community zustehen (s.u.). Die Frage ist: Können wir das auch einlösen? Schaffen wir es, sie zum Commons zu machen (bei der Atmosphäre ist das bislang grandios mislungen. Die einen übernutzen sie, die anderen saufen ab. Der Neue Griff nach Land weist auch in die Gegenrichtung. Unzählige Beispiele könnte man hier anführen.) [..]

Hier wird die Atmosphäre als Common bezeichnet. Auf den ersten Blick war ich ob des Satzes etwas verwundert. Bei näherer Betrachtung bekommt diese Sichtweise jedoch eine interessante Tragweite. So wird zum einen schlagartig die Globalität des Problems klar, wenn man es aus der Perspektive eines Gemeinguts betrachtet. Zum anderen besteht hier die wunderbare Möglichkeit, die Erkenntnisse der Commonsforschung auf die Umweltpolitik zu übertragen. Es besteht also die Möglichkeit, das große Problem des Klimawandels auf das grundlegende Fundament der Commons zu stellen.

Ich werde Commons in Zukunft wohl stärker in den Fokus nehmen. Vielleicht lässt sich das ein oder andere Konzept auf die Umweltpolitik übertragen. Vielversprechend ist es auf jeden Fall.

Polemische Argumente müssen nicht widerlegt werden

Gerade bin ich über einen Artikel auf einem österreichischen katholischen Nachrichtenmagazin gestoßen, der in sehr schönes Weise darstellt, wie man sich die Welt passend reden kann. Es handelt sich bei besagtem Artikel um einen Beitrag, der den Klimawandel leugnet. Das interessante daran ist, dass nicht einmal mehr auf die Klimaforscher eingedroschen wurde, sondern auf die Synoden und Kirchenoberen. Die Argumente sind jedoch die gleichen, nur mit einem christlichen Kontext. Eines möchte ich allerdings herausstellen:

Es ist erst fünf Jahre her, da fanden sich in Zeitungen Karikaturen zu Weihnachten mit Palmen am Brandenburger Tor. Der Klimawandel sollte es möglich machen. Nun heißt es, in der deutschen Hauptstadt und vielen anderen Regionen habe es seit 110 Jahren noch nie so viel Schnee gegeben. Wir hätten den kältesten Dezember seit mehr als 40 Jahren erlebt.

Doch was ist an dieser Ausführung falsch? Es ist das Ziel des Angriffs. In einer Diskussion werden Argumente und Gegenargumente vorgebracht, ausgetauscht, bestätigt oder entkräftet. In dem vorliegenden Fall mangelt es jedoch bereits an einem Argument. Wenn ein Karikaturist den Klimawandel so darstellt, dass in Berlin Palmen stehen, so ist das kein Beweis für die Existenz des Klimawandels. Dies würde der Karikatur etwas unterstellen, wozu sie nie gedacht war. Die Karikatur ist vielmehr das Resultat des Erkenntnisprozesses, den der Karikaturist bei der kritischen Betrachtung der Argumente vollzogen hat. Und es handelt sich um eine Karikatur.

Durch die Tatsache, dass fünf Jahre nach Erscheinen einer Karikatur für die Dauer eines Monats ein extremes Gegenteil zur Karikatur eingetreten ist, den Klimawandel widerlegen zu wollen, erscheint mehr als zweifelhaft. Jedoch ist dies das typische Verhaltensmuster der Klimawandelleugner. Oftmals fordern sie einen kritischen Umgang mit den Argumenten der Klimaforscher. Selbst sind sie jedoch nicht in der Lage, einen sachlichen Beitrag zur Diskussion zu leisten, der einer kritischen Betrachtung Stand hält.