Ökostrom ist nicht gleich Ökostrom

Nachdem nun fast alle lokalen Zeitungen vermutlich eine Pressemitteilung der Siegener Versorgungsbetriebe (SVB) nahezu unverändert (WAZ, Siegerland Kurier, Siegener Zeitung hinter Paywall) abgedruckt haben, brennt mir ein Thema doch etwas unter den Nägeln.

Es geht um das Thema Ökostrom. In den Artikeln wird beschrieben, dass die SVB durch eine rückwärtslaufende Pumpe reinen Ökostrom erzeugen. Die Logik dahinter ist, dass Energie aus Wasserkraft ja zu den “sauberen” Energien gehört und damit ist es Ökostrom. Prinzipiell ist das auch richtig; Wasserkraft in Form von Laufwasserkraftwerken ist eine saubere Energieform, die auch zu den erneuerbaren gezählt wird. Man muss hier jedoch fein unterscheiden. Energie aus einem Pumpspeicherkraftwerk, was ja auch mit Wasser als Energieträger arbeitet, muss nicht zwangsläufig erneuerbare Energie sein. Weiterlesen

Energieverein Siegen-Wittgenstein

In Siegen hat sich kürzlich der Energieverein Siegen-Wittgenstein gegründet. Jetzt fragt man sich, was ein Energieverein wohl so tut.

Die Mitglieder des Vereins sind sich ihrer besonderen Verantwortung zum Schutz der Umwelt, der Erdatmosphäre und der Luftreinhaltung in der Region Siegen-Wittgenstein bewusst. Politik, Industrie, Handwerk und Wissenschaft haben wiederholt darauf hingewiesen, dass aktives Handeln im Bereich Gebäudesanierung ein wichtiger Schlüssel für eine nachhaltige Senkung der energiebedingten Umweltbelastungen und damit das Erreichen übergeordneter klimapolitischer Zielsetzungen ist.

Laut Satzung geht es dem Verein also um Klimaschutz. Liest man weiter, bekommt die Sache jedoch ein Geschmäckle.

Für die Mitglieder dieses Vereins sind diese Erkenntnis und die politischen Zielsetzungen Anlass und Maßstab für ein weiterführendes Engagement, dass darauf ausgerichtet ist, die energieeffiziente Sanierung des Gebäudebestands in der Region Siegen-Wittgenstein nachhaltig zu fördern und zu unterstützen.

Es geht also nicht vornehmlich im Klimaschutz, sondern um Gebäudesanierung. Prinzipiell schließt die Sanierung von Gebäuden den Klimaschutz nicht aus. Schließlich besteht im Gebäudebestand ein großes Einsparpotenzial. Allerdings bleibt die Frage offen, warum man dafür einen Energieverein braucht. Dies wird klarer, wenn man sich die Beschreibung des Vereins eines Gründungsmitglieds, der Stadt Siegen, anschaut:

Mit dem Energieverein Siegen-Wittgenstein e.V. ist eine Organisationsform gefunden worden, mit der die Zusammenarbeit von Kommunen mit Handwerk, Industrie, Handel sowie Ingenieurs- und Architektenbüros zur einer festen Einrichtung werden kann.

Es geht also vornehmlich um Wirtschaftsförderung. Dazu passt dann auch die Liste der Gründungsmitglieder. Neben den regionalen Banken, die die Kredite für die Sanierungsprogramme bereitstellen wollen, sind die Innungen für Sanitär, Heizung und Klima sowie Dach, Wand und Abdichtungstechnik vertreten. Gepaart mit dem Baubiologischen Arbeitskreis Gesundheit-Bauen-Wohnen und dem Architekturbüro grünraum sind also alle benötigten Partner bereits im Boot. Und wenn irgendwo Energie draufsteht, darf RWE natürlich nicht fehlen.

Ein illusterer Haufen, der sich hier zusammen gefunden hat, um gemeinsam die eigenen Geschäfte zu fördern. Selbstverständlich nur zum Wohle des Eigenheimbesitzers. Nicht, dass man mich falsch versteht: Es ist eine gute Sache, sich für die energetische Sanierung einzusetzen. Allerdings muss man sich bewusst sein, welche Beweggründe hinter einem solchen Verein stehen.

Und die Beweggründe, einen Lobbyverband zur Sanierung von Altbauten Energieverein zu nennen, erschließen sich mir nicht.