Wandel eines KulturRaumes

Der Wald in Nordrhein-Westfalen ist, wie eigentlich jeder Raum in diesem dichtbesiedelten Land, eine durch den Menschen geprägt Landschaft, also ein Kulturraum, und somit auch dem ständigem Wandel unterworfen, den auch die Gesellschaft durchläuft. Im Wald wird dieser Wandel gerade heutzutage nicht zuletzt durch den Ausbau der Windenergie herbeigeführt. Und gerade beim Zusammentreffen der Themen Windenergie und Wald im Allgemeinen und Touristik im Speziellen kommt es oft zu kontroversen und hitzigen Diskussionen. Dabei ist zu beobachten (und wird auch durch Studien gestützt), dass die Gegner von Windenergieanlagen eher älter, die Befürworter eher jünger sind.

Professor Dr. Quack vom Project M interpretiert dies so, dass jüngere Menschen sich eher für die Technik begeistern könnten. Ich möchte dieser These nicht widersprechen, sondern sie eher noch verstärken. Aus meiner Sicht ist es nicht nur die Begeisterung für Technik, die jüngere Menschen weniger Abneigung gegenüber Windenergieanlagen haben lässt, sondern auch und vor allem der kulturelle Wandel in seiner Gesamtheit. Die Welt ist durchdrungen von Technik, die oftmals gar nicht als solche mehr wahrgenommen wird. Jeder Kulturraum ist technisiert. Überall leuchten grüne Notausgangsschilder, in öffentlichen Nahverkehrsmitteln sagen freundliche Stimmen den Namen der nächsten Haltestelle an, ja sogar der öffentliche Nahverkehr selbst ist schon eine Technisierung des Kulturraumes, in diesem Falle des urbanen Kulturraumes.

Und so verhält es sich auch mit dem Kulturraum Wald. Er dient der jüngeren Generation nicht mehr nur der Erholung durch bloßes Durchschreiten und Verweilen. Vielmehr wird er heute untermalt mit Klängen aus dem MP3-Player, geführt von GPS-Geräten und mit Nordic-Walking-Stöcken in den Händen oder im Sattel eines Mountain-Bikes erfahren. Bedingt durch die Technisierung des persönlichen Umfelds der “Nutzer” des Waldes wird auch die Technisierung des Waldes selbst nicht mehr als störend empfunden.

Dies führt mich zu einer interessanten und gegebenenfalls auch streitbaren These: Bisher wurde der Wald durch die Menschen geprägt, die ihre Energie aus zentralen Großkraftwerken bezogen. Die jüngere Generation will die Probleme, die durch dieses Energiesystem entstanden, unter anderem mit Hilfe der Windenergie lösen. Dürfen die “Verursacher” der Probleme jetzt noch die Lösung des Problems behindern?

Ich bin mir dabei vollkommen klar darüber, dass viele Waldgebiete besonders schützenswerte Gebiete sind, sei es im Sinne der FFH-Richtlinien oder weil dort seltene Arten beheimatet sind oder oder oder. Um die Nutzung solcher Gebiete geht es hier auch nicht. Vielmehr geht es mir um die Überlegung, in wie weit der (Mit-)Verursacher eines Problems die Lösung eben dieses Problems nach seinem Geschmack beeinflussen darf.

Umkehr der Begrifflichkeiten

Warum heißen Umweltschützer eigentlich Umweltschützer? Ist es nicht das normalste auf der Welt, dass jede Person die sie umgebende Welt vor Schäden schützen will? Scheinbar nicht. Denn sonst würde man nicht von Umweltschützern auf der einen und normalen Menschen auf der anderen Seite sprechen.

Wäre es hier nicht tatsächlich ein besserer Ansatz, von normalen Menschen auf der einen und Umweltverschmutzern auf der anderen Seite zu sprechen? Die gleichen Personengruppen, aber diesmal werden die Bösen ausgegrenzt.

Ähnliches Vorgehen hat sich ja auch die FDP seit einigen Wochen vorgenommen. Plötzlich sind die Grünen die Dagegenpartei. Dabei war die FDP doch gegen den Atomausstieg und die Grünen dafür. Die FDP war gegen saubere Stromerzeugung, die Grünen dafür. Die FDP war gegen eine generationengerechte Energiewende, die Grünen dafür. Und trotzdem sind die Grünen die Dagegenpartei. Es ist also alles eine Sache der Begrifflichkeit. Wer bereits in simplen Aussagen, hoffentlich von der breiten Masse unbemerkt, den Gegner begrifflich ausgrenzen kann, macht schon den ersten Punkt, ohne diesen inhaltlich überhaupt verdient zu haben. Ich werde mich von nun an auf diese Erkenntnis besinnen und meine Wortwahl überdenken. Von nun an bin ich kein Umweltschützer mehr, sondern nur noch ein normaler Mensch.

Guttenberg-Fans scheitern – An sich selbst

So laut wie die Guttenberg-Anhänger für ihn geschrieben haben, so schnell haben sie ihn vergessen. Auf dem Sofa sitzend "I Like" zu klicken und noch eine Stammtischparole gegen die Medien hetzen kann jeder. Aber Mal den Arsch hochkriegen und für eine Sache einstehen ist ein anderes Kaliber.
Schade eigentlich. Ich hatte mich schon gefreut, dass in Deutschland mal wieder öffentliche Diskussionen geführt werden (wenn auch das Verfahren noch verbesserungswürdig ist), aber dem scheint ja nicht so zu sein.
Also, liebe KT-Fans, legt euch wieder. Die Bild wird euch schon wecken, wenn sie noch das nächste Mal eure lautstarke Empörung benötigt.

Ich habe versucht, mit einigen meiner Facebook-Kontakte über das Thema zu diskutieren. Allerdings sind sachliche Diskussionen leider nicht möglich. Es ist wie mit den Klimaleugnern. Fakten sind falsch, keine Fakten, von den falschen Personen bestätigt oder das Resultat von Verschwörungen. Auch kann man doch auch mal ein paar Fußnoten vergessen (sind ja nicht so wichtig, gibt es doch auch in keiner Zeitung), wir haben doch alle mal abgeschrieben, ein Doktorgrad ist doch sowieso unwichtig, KT ist ein toller Typ und außerdem lügen “die da oben” doch eh alle. Hier fehlt jegliche Basis für eine sachliche Diskussion.

Umso erstaunter bin ich, mit welcher Vehemenz diese offensichtlich am Thema vollkommen Uninteressierten ihre Meinung herausschreien. Und im gleichen Maße bin ich auch enttäuscht und beängstigt. Denn ich kann nicht begreifen, welche Beweggründe diese, nennen wir sie mal Meinungsschreier, haben. Und damit kann ich sie auch nicht verstehen. Und das Verstehen des Gegenübers ist der wichtigste Schritt in einer Diskussion. Und selbst wenn sie nicht mit mir über ihren Standpunkt diskutieren möchten, würde ich es doch sehr begrüßen, wenn sie mir wenigstens erlauben würden, ihren Standpunkt zu verstehen und anzuerkennen. Aber selbst das scheint schon zu viel verlangt.

Tag der Wahrheit

Heute ist der Tag der Wahrheit. Heute treten alle aus dem Schatten und bekennen sich zu Schwarz oder Weiß.

Für mich persönlich ein trauriger Tag. Ich hatte nicht zu fürchten gewagt, dass so viele Menschen in meinem Umfeld unreflektiert der Meinungsmache  erliegen. Ich hatte nicht zu fürchten gewagt, dass so viele Menschen in meinem Umfeld so intolerant sind.

Ich fürchte, dass dieser Tag als Geburtstag des Schnitts durch die Gesellschaft gelten wird. Schwarz oder Weiß. Ein Grau scheint unmöglicher als je zuvor.