Ökostrom ist nicht gleich Ökostrom

Nachdem nun fast alle lokalen Zeitungen vermutlich eine Pressemitteilung der Siegener Versorgungsbetriebe (SVB) nahezu unverändert (WAZ, Siegerland Kurier, Siegener Zeitung hinter Paywall) abgedruckt haben, brennt mir ein Thema doch etwas unter den Nägeln.

Es geht um das Thema Ökostrom. In den Artikeln wird beschrieben, dass die SVB durch eine rückwärtslaufende Pumpe reinen Ökostrom erzeugen. Die Logik dahinter ist, dass Energie aus Wasserkraft ja zu den “sauberen” Energien gehört und damit ist es Ökostrom. Prinzipiell ist das auch richtig; Wasserkraft in Form von Laufwasserkraftwerken ist eine saubere Energieform, die auch zu den erneuerbaren gezählt wird. Man muss hier jedoch fein unterscheiden. Energie aus einem Pumpspeicherkraftwerk, was ja auch mit Wasser als Energieträger arbeitet, muss nicht zwangsläufig erneuerbare Energie sein. Weiterlesen

Energiestatistik

Die Energiewende ist in vollem Gange. In jeder Kommune wird über neue Windenergieanlagen debattiert, viele Häuslebauer beschäftigen sich mit Photovoltaik, Solarthermie oder Erdwärme. Und oftmals kommt die Frage auf, wie überhaupt der aktuelle Stand ist. Für den Bereich der elektrischen Energie kann dies relativ einfach beantwortet werden. Der Übertragungsnetzbetreiber Amprion veröffentlich nämlich eine Liste mit allen Anlagen zur Erzeugung elektrischer Energie. Im Folgenden sind einige Daten über die Energieerzeugung im Kreis Siegen-Wittgenstein dargestellt.

Wind

Der Kreis verfügt über 20 Windenergieanlagen: eine in Freudenberg, zwei in Siegen, drei in Netphen, vier in Bad Berleburg sowie fünf in Wilnsdorf und Hilchenbach. Wilnsdorf verfügt über die leistungsstärksten Anlagen mit jeweils 2,5MW und verfügt somit über mehr als ein Drittel der gesamten Windkraftkapazitäten des Kreises. Dicht darauf folgt Hilchenbach mit Anlagen der 2MW-Klasse. Siegen besitzt das kleinste Windrad, welches nur eine Leistung von 600kW bereitstellen kann.

Die Gesamtleistung im Kreisgebiet liegt bei 33,4MW, 22,5MW werden allein durch Wilnsdorf und Hilchenbach bereitgestellt. Durchschnittlich verfügen die Anlagen über eine Leistung von 1,6MW.

Deponiegas

Beide Abfalldeponien im Kreis verfügen über eine Anlage zur Gewinnung elektrischer Energie aus Deponiegas. In Netphen-Herzhausen ist eine maximale Leistung von 250kW installiert, in der Fludersbach in Siegen sogar 730kW.

Wasserkraft

Wasserkraft wird nur in sehr geringem Umfang zur Gewinnung elektrischer Energie genutzt. In Netphen ist eine Anlage mit 8kW, in Burbach in Anlage mit 7,5kW,  in Erndtebrück erzeugt eine Anlage 15kW und in Bad Laasphe sind zwei Anlagen mit einer Gesamtleistung von 12,7kW installiert. Somit beträgt die Gesamtleistung durch Wasserkraft im Kreisgebiet 43,2kW.

Biomasse

Es sind acht Anlagen vorhanden, die Biomasse in Energie umwandeln können. Die größte ist das Biomasse-Heizkraftwerk in Erndtebrück mit 5MW, die kleinste Anlage mit 15kW ist auf dem Bioland-Hof Heckseifen in Siegen in Betrieb. Die Gesamtleistung aller acht Anlagen beträgt ca. 6,7MW.

Sonne

Mit großem Vorsprung, bezogen auf die Anzahl der Anlagen, ist die Photovoltaik die am meisten genutzte Art der Energiegewinnung. 1818 Anlagen verfügen über eine Gesamtspitzenleistung von 20,29MW. Damit ist die durchschnittliche Photovoltaikanlage 11kW groß.

Die größte Anlage mit 271kW ist in Freudenberg installiert, die kleinste mit 300W Siegen. In Siegen sind pro Einwohner 33W Solarenergie installiert, in Bad Berleburg 152W. Auch die Anzahl der Anlagen pro Einwohner schwankt erheblich. In Bad Berleburg haben 1,3% der Einwohner eine eigene Anlage, in Siegen sind es nur 0,3% aller Einwohner.

Nun ein paar detaillierte Betrachtungen der Photovoltaikanlagen im Kreisgebiet. Im folgenden Bild ist der Zuwachs in Kilowatt im jeweiligen Jahr angegeben. Sehr gut zu erkennen ist dort das Boomjahr 2010.

Leistungszuwachs

Auch die Vergütung für die Anlagen, die in einem Jahr ans Netz angeschlossen wurden, ist in 2010 so hoch wie nie:

Vergütungszuwachs

Nimmt man die bisher vorhandenen Anlagedaten, ergibt sich der in der folgenden Grafik dargestellte Verlauf der gesamten, in einem Jahr an die Anlagenbetreiber im Kreis zu zahlenden Vergütung.

VergütungGesamt

Durch die beschlossenen weiteren Absenkungen der Vergütung, den Umstand, dass die Vergütung mittlerweile unter dem Preis einer Kilowattstunde vom normalen Anbieter liegt sowie dem Umstand, dass bereits in zwei Jahren die ersten Anlagen aus dem maximalen Vergütungszeitraum hinauslaufen, kann gefolgert werden, dass sich an der oben dargestellten Kurve nicht mehr viel ändern wird.

Wandel eines KulturRaumes

Der Wald in Nordrhein-Westfalen ist, wie eigentlich jeder Raum in diesem dichtbesiedelten Land, eine durch den Menschen geprägt Landschaft, also ein Kulturraum, und somit auch dem ständigem Wandel unterworfen, den auch die Gesellschaft durchläuft. Im Wald wird dieser Wandel gerade heutzutage nicht zuletzt durch den Ausbau der Windenergie herbeigeführt. Und gerade beim Zusammentreffen der Themen Windenergie und Wald im Allgemeinen und Touristik im Speziellen kommt es oft zu kontroversen und hitzigen Diskussionen. Dabei ist zu beobachten (und wird auch durch Studien gestützt), dass die Gegner von Windenergieanlagen eher älter, die Befürworter eher jünger sind.

Professor Dr. Quack vom Project M interpretiert dies so, dass jüngere Menschen sich eher für die Technik begeistern könnten. Ich möchte dieser These nicht widersprechen, sondern sie eher noch verstärken. Aus meiner Sicht ist es nicht nur die Begeisterung für Technik, die jüngere Menschen weniger Abneigung gegenüber Windenergieanlagen haben lässt, sondern auch und vor allem der kulturelle Wandel in seiner Gesamtheit. Die Welt ist durchdrungen von Technik, die oftmals gar nicht als solche mehr wahrgenommen wird. Jeder Kulturraum ist technisiert. Überall leuchten grüne Notausgangsschilder, in öffentlichen Nahverkehrsmitteln sagen freundliche Stimmen den Namen der nächsten Haltestelle an, ja sogar der öffentliche Nahverkehr selbst ist schon eine Technisierung des Kulturraumes, in diesem Falle des urbanen Kulturraumes.

Und so verhält es sich auch mit dem Kulturraum Wald. Er dient der jüngeren Generation nicht mehr nur der Erholung durch bloßes Durchschreiten und Verweilen. Vielmehr wird er heute untermalt mit Klängen aus dem MP3-Player, geführt von GPS-Geräten und mit Nordic-Walking-Stöcken in den Händen oder im Sattel eines Mountain-Bikes erfahren. Bedingt durch die Technisierung des persönlichen Umfelds der “Nutzer” des Waldes wird auch die Technisierung des Waldes selbst nicht mehr als störend empfunden.

Dies führt mich zu einer interessanten und gegebenenfalls auch streitbaren These: Bisher wurde der Wald durch die Menschen geprägt, die ihre Energie aus zentralen Großkraftwerken bezogen. Die jüngere Generation will die Probleme, die durch dieses Energiesystem entstanden, unter anderem mit Hilfe der Windenergie lösen. Dürfen die “Verursacher” der Probleme jetzt noch die Lösung des Problems behindern?

Ich bin mir dabei vollkommen klar darüber, dass viele Waldgebiete besonders schützenswerte Gebiete sind, sei es im Sinne der FFH-Richtlinien oder weil dort seltene Arten beheimatet sind oder oder oder. Um die Nutzung solcher Gebiete geht es hier auch nicht. Vielmehr geht es mir um die Überlegung, in wie weit der (Mit-)Verursacher eines Problems die Lösung eben dieses Problems nach seinem Geschmack beeinflussen darf.

Was soll man davon halten?

Nachdem in den vergangenen Tagen eine Diskussion über die Sicherheit von Atomkraftwerken vehement verweigert wurde, wird nun plötzlich die Laufzeitverlängerung für drei Monate ausgesetzt. Während dieser drei Monate sollen alle Reaktoren auf ihre Sicherheit überprüft werden. Die Reaktoren Neckarwestheim 1, Isar 1 und Biblis A  dagegen werden aller Voraussicht nach endgültig abgeschaltet. Aus der “Brückentechnologie” wird klammheimlich eine “auslaufende Technologie”. Statt dessen soll nun verstärkt in erneuerbare Energien investiert werden.

Doch was soll man von diesem Reaktionismus halten? Ist dies der klägliche Versuch, zu retten, was noch zu retten ist? Will man also nur die eigene Laufzeit verlängern? Oder ist es tatsächlich ein Umdenken?

Sicherheit

Fangen wir mit der Prüfung der Sicherheit an. Innerhalb der nächsten drei Monate sollen alle Reaktoren geprüft werden. Warum sind die Reaktoren überhaupt am Netz, wenn man nicht weiß, ob sie sicher sind. Wurde nicht immer betont, Sicherheit ginge über alles? Zusätzliche Prüfungen werden wohl kaum stattfinden können. Zum einen ist noch gar nicht klar, was in Japan alles zu den aktuellen Problemen beiträgt und zum anderen lassen sich solche Prüfkataloge nicht in einer Nacht- und Nebelaktion erweitern. Auch dies muss sorgfältig geplant werden. Diese Sicherheitsprüfung wird also als Ergebnis haben, dass alle Meiler sicher sind. Hätte sie es nicht, wäre dies ein  grober Verstoß der Atomaufsicht. Es handelt sich bei diesem Punkt also um Augenwischerei.

Moratorium

Der zweite Punkt ist das dreimonatige Moratorium. Im Superwahljahr 2011 finden nach aktuellem Stand der Dinge sechs Landtagswahlen statt. Die Bürgerschaftswahl in Hamburg ist bereits vorbei, sodass noch fünf anderen Wahlen bleiben. Am 20. März wird in Sachsen-Anhalt gewählt, am 27. März in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg, am 22. Mai ist Bürgerschaftswahl in Bremen und am 4. September wird in Mecklenburg-Vorpommern gewählt. Innerhalb des Moratoriums werden also vier der anstehenden fünf Wahlen liegen. Besonders wichtig ist dabei die Wahl im CDU-Stammland Baden-Württemberg. Somit wird die Entscheidung, nach Ablauf des Moratoriums alles beim altem zu belassen, nur noch die Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern beeinflussen. Und dort hat die CDU sowieso keine gute Ausgangsposition, sodass dies verschmerzbar wäre. Das Moratorium scheint daher auch eher Wahltaktik als wirkliches Umdenken zu sein.

Abschaltung

Kommen wir zum dritten Punkt, der Abschaltung der Reaktoren. Zum einen kann man diesen Schritt nur begrüßen. Endlich gehen drei von 17 Gefahrenquellen vom Netz. Allerdings bleiben noch immer 14 weitere, vor allem solche Pannenreaktoren wie Krümmel oder solche in Erdbebengefährdeten Regionen wie Philippsburg im Oberrheingraben. Doch der Schritt zur Abschaltung ist noch aus ganz anderen Gründen interessant. Bisher hieß es, die deutschen AKWs seien sicher. Warum schaltet man sie nun ab? Sind sie doch nicht so sicher, wie man immer behauptet hat?

Blackout

Ein viel zitiertes Argument war außerdem, dass ohne AKWs eine Stromlücke entstünde. Die Befürworter der Atomkraft sprachen vom Blackout und erzeugten damit eine unbegründete Panik in der Bevölkerung, während ihre selbst berufenen Experten ihnen vorrechnete, dass sieben der 17 Reaktoren problemlos abgeschaltet werden können. Umweltverbände gingen gar einen Schritt weiter und sprachen von der Vollversorgung aus regenerativen Quellen. Dies ist mittlerweile durch zahlreiche Studien belegt. Man fragt sich also, warum plötzlich Reaktoren abgeschaltet werden. Und warum drei?

Machterhalt

Ein Detail am Rande. Vattenfall verfügt nur über Anteile an zwei Reaktoren, die übrigen sind in der Hand von RWE, EnBW und E.ON. Und jeder der drei Konzerne gibt einen Reaktor ab. Jeder der drei Konzerne gibt seinen ältesten Reaktor ab. Es werden nicht die ältesten drei Atomkraftwerke stillgelegt, es werden nicht die am schlechtesten gewarteten Atomkraftwerke stillgelegt, es werden auch nicht die pannenanfälligsten Atomkraftwerde stillgelegt, es werden nicht die berüchtigtsten der Baulinie 69 stillgelegt, sondern jeweils das älteste eines jeden Konzerns. Immer schön das Gleichgewicht im Oligopol aufrecht erhalten. RWE legt Biblis A still, EnBW Neckarwestheim1 und E.ON Isar 1.

Investitionen

Bleibt noch die Ankündigung, nun verstärkt in erneuerbare Energie zu investieren. Warum muss erst ein Unglück wie das in Japan passieren, damit  man erkennt, dass die Atomkraftgegner die ganze Zeit recht hatten? Warum erkennt man erst jetzt, dass regenerative Energiequellen erneuerbare Energie in bezahlbarem und ausreichendem Maß bereitstellen können und vor allem unschädlich für die Gesundheit sind? Ist es in Anbetracht der Gefahren nicht mehr vertretbar, der Atomlobby jeden Wunsch zu erfüllen?

Wie soll man in Anbetracht dieser Umstände der Regierung glauben schenken? Ich wünsche mir, dass es dieses Mal ernst ist und es nicht in drei Monaten zurück zu alten Gewohnheiten geht. Wir haben die Chance, unsere Energieversorgung auf eine für den Menschen gesunde und für die Umwelt unschädliche Art umzustellen. Lasst sie uns nutzen!

Abschalten! Jetzt!

Erneuerbare Energien helfen der Wirtschaft

Der EU-Energiekommissar hat ja gerade mitgeteilt, dass erneuerbare Energien der Wirtschaft schaden, da kommt das Umweltbundesamt mit einer Studie, die genau das Gegenteil beweist. Telepolis hat die Studie schön zusammengefasst und bringt die Kernthesen auf den Punkt.

Ein Schmankerl aus der Pressemitteilung zur Vorstellung der Studie möchte ich noch explizit hervorheben:

Im Gegensatz zu anderen Formen der Stromerzeugung ist die Förderung der Erneuerbaren Energien für die Öffentlichkeit transparent. So ist die Kernenergie nur deshalb einzelwirtschaftlich rentabel, weil sie in Milliardenhöhe direkte und indirekte Subventionen erhält. Außerdem wird die konventionelle Stromerzeugung durch die mangelnde Anlastung der Umweltkosten begünstigt. Ohne diese Wettbewerbsverzerrungen wären viele Techniken zur Nutzung der erneuerbaren Energien schon heute wettbewerbsfähig und der Förderbedarf für die erneuerbaren Energien deutlich geringer.

Oettinger hat Angst vor rechtsdrehenden Elektronen

Der EU-Energiekommissar Günther Oettinger stammt ja aus einem energiepolitisch öden Umfeld. Dass er kein Freund der sauberen Energien ist, hat man ja bereits zu seiner Zeit als Ministerpräsident von Baden-Württemberg erkennen können. Schade, dass er diese verengte Sichtweise als Energiekommissar nicht abgelegt hat. Denn gestern hat er die Erhöhung des Reduktionsziels von derzeit 20% auf 30% bis zum Jahre 2020 abgelehnt. Mit der Begründung, die würde zu einer Industrieflucht in asiatische Länder führen. Der Zusammenhang ist mir nicht klar, daher führe ich diese Äußerung auf die Lobbyarbeit des baden-württembergischen Energiekonzern EnBW zurück.

Aber vielleicht ist es ja auch ganz anders. Vielleicht hat Oettinger Angst vor linksdrehenden Elektronen. Könnte ihm mal jemand sagen, dass die Energie aus erneuerbaren Quellen sich nicht linksherum dreht. Und auch die aus fossilen Kraftwerken dreht sich nicht rechtsrum. Es gibt keinen Unterschied. Unsere Industrie ist kompatibel! Ich musste mir auch keinen neuen Staubsauer kaufen, als ich meinen Stromanbieter gewechselt habe. Der funktionierte einfach weiter.