Ökostrom ist nicht gleich Ökostrom

Nachdem nun fast alle lokalen Zeitungen vermutlich eine Pressemitteilung der Siegener Versorgungsbetriebe (SVB) nahezu unverändert (WAZ, Siegerland Kurier, Siegener Zeitung hinter Paywall) abgedruckt haben, brennt mir ein Thema doch etwas unter den Nägeln.

Es geht um das Thema Ökostrom. In den Artikeln wird beschrieben, dass die SVB durch eine rückwärtslaufende Pumpe reinen Ökostrom erzeugen. Die Logik dahinter ist, dass Energie aus Wasserkraft ja zu den “sauberen” Energien gehört und damit ist es Ökostrom. Prinzipiell ist das auch richtig; Wasserkraft in Form von Laufwasserkraftwerken ist eine saubere Energieform, die auch zu den erneuerbaren gezählt wird. Man muss hier jedoch fein unterscheiden. Energie aus einem Pumpspeicherkraftwerk, was ja auch mit Wasser als Energieträger arbeitet, muss nicht zwangsläufig erneuerbare Energie sein. Weiterlesen

Wandel eines KulturRaumes

Der Wald in Nordrhein-Westfalen ist, wie eigentlich jeder Raum in diesem dichtbesiedelten Land, eine durch den Menschen geprägt Landschaft, also ein Kulturraum, und somit auch dem ständigem Wandel unterworfen, den auch die Gesellschaft durchläuft. Im Wald wird dieser Wandel gerade heutzutage nicht zuletzt durch den Ausbau der Windenergie herbeigeführt. Und gerade beim Zusammentreffen der Themen Windenergie und Wald im Allgemeinen und Touristik im Speziellen kommt es oft zu kontroversen und hitzigen Diskussionen. Dabei ist zu beobachten (und wird auch durch Studien gestützt), dass die Gegner von Windenergieanlagen eher älter, die Befürworter eher jünger sind.

Professor Dr. Quack vom Project M interpretiert dies so, dass jüngere Menschen sich eher für die Technik begeistern könnten. Ich möchte dieser These nicht widersprechen, sondern sie eher noch verstärken. Aus meiner Sicht ist es nicht nur die Begeisterung für Technik, die jüngere Menschen weniger Abneigung gegenüber Windenergieanlagen haben lässt, sondern auch und vor allem der kulturelle Wandel in seiner Gesamtheit. Die Welt ist durchdrungen von Technik, die oftmals gar nicht als solche mehr wahrgenommen wird. Jeder Kulturraum ist technisiert. Überall leuchten grüne Notausgangsschilder, in öffentlichen Nahverkehrsmitteln sagen freundliche Stimmen den Namen der nächsten Haltestelle an, ja sogar der öffentliche Nahverkehr selbst ist schon eine Technisierung des Kulturraumes, in diesem Falle des urbanen Kulturraumes.

Und so verhält es sich auch mit dem Kulturraum Wald. Er dient der jüngeren Generation nicht mehr nur der Erholung durch bloßes Durchschreiten und Verweilen. Vielmehr wird er heute untermalt mit Klängen aus dem MP3-Player, geführt von GPS-Geräten und mit Nordic-Walking-Stöcken in den Händen oder im Sattel eines Mountain-Bikes erfahren. Bedingt durch die Technisierung des persönlichen Umfelds der “Nutzer” des Waldes wird auch die Technisierung des Waldes selbst nicht mehr als störend empfunden.

Dies führt mich zu einer interessanten und gegebenenfalls auch streitbaren These: Bisher wurde der Wald durch die Menschen geprägt, die ihre Energie aus zentralen Großkraftwerken bezogen. Die jüngere Generation will die Probleme, die durch dieses Energiesystem entstanden, unter anderem mit Hilfe der Windenergie lösen. Dürfen die “Verursacher” der Probleme jetzt noch die Lösung des Problems behindern?

Ich bin mir dabei vollkommen klar darüber, dass viele Waldgebiete besonders schützenswerte Gebiete sind, sei es im Sinne der FFH-Richtlinien oder weil dort seltene Arten beheimatet sind oder oder oder. Um die Nutzung solcher Gebiete geht es hier auch nicht. Vielmehr geht es mir um die Überlegung, in wie weit der (Mit-)Verursacher eines Problems die Lösung eben dieses Problems nach seinem Geschmack beeinflussen darf.

Warum die Energiewende an Land erfolgen muss

Das bisherige Energiewirtschaftssystem in Deutschland hat eine zentralistische Struktur. Marktwirtschaftlich handelt es sich um ein Oligopol, als ein Monopol von einigen wenigen Firmen. In unserem Fall RWE, E.ON, EnBW und Vattenfall. Dies ist nun erst einmal nicht verwerflich. Diese Unternehmen sind rechtlich Aktiengesellschaften, sie sind also ihren Aktionären gegenüber verpflichtet, sorgfältig mit dem von den Aktionären eingesetzten Kapital umzugehen. Auch das ist nicht verwerflich, sondern gerade gewollt. Und daher ist es auch nicht verwerflich, wenn die großen Vier überlegen, ob sie nicht gegen das Moratorium oder gegen das neue Atomgesetzt Klage einreichen. Sie erfüllen lediglich die Pflicht, die sie gegenüber ihren Anteilseignern gesetzlich auferlegt bekommen haben.

Problematisch wird es, wenn die wirtschaftlichen Strukturen mit den öffentlichen Strukturen verwoben sind. Und dies ist im Falle der Energieversorger leider so. Als die Kommunen ihre kommunalen Netze, mit denen die Haushalte mit Strom versorgt werden, an die Energieversorger abgegeben haben, wurde der vereinbarte Kaufpreis oftmals teilweise oder komplett mit Anteilen des jeweiligen Unternehmens beglichen. Die Kommunen waren also plötzlich Anteilseigner der Energieversorger. Da die Kommunen ihrerseits dazu angehalten sind, mit ihrem Kapital sorgsam umzugehen, fällt es solchen Kommunen, die am Netzbetreiber beteiligt sind, natürlich umso schwerer, die Konzession an alternative Anbieter zu vergeben. Sie befinden sich also in einem Zielkonflikt und können nicht mehr frei entscheiden.

Ähnlich wie die EVUs sich bei den kommunalen Verteilnetzen einzementiert haben, wollen sie es auch in der Energiewende tun. Zum einen sind die Unternehmen in erster Linie dem Kapital verpflichtet und nicht über den gesetzlich festgeschriebenen Rahmen dem Wohlergehen der Bürger oder der Umwelt. Daher haben sie auch erst einmal kein Interesse an einer Energiewende, da dies den kurzfristigen Gewinn schmälert. Zum anderen versuchen sie, einmal getätigte Investitionen, so lange sie noch gewinnbringend betrieben werden kann, fortzuführen. Welche Formen das annimmt, kann man an der geplanten Novelle des EEG sehen. Dort werden alle Technologien zur Energiegewinnung, die keine großtechnischen Anlagen oder millionenschwere Investitionen erfordern, grundsätzlich durch die Verringerung der garantierten Einspeisevergütung in ihrer Attraktivität beschränkt. Die großen EVUs drängen also darauf, den Markt weiterhin in den eigenen Händen zu behalten, sei es durch CCS (dann könnten alte Kohlekraftwerke gewinnbringend weiterbetrieben werden) oder durch Offshore-Wind, dessen Investition keine Bürgerenergiegenossenschaft stemmen kann.

Der Hebel ist das Netz. So lange das Netz zentralistisch strukturiert ist mit wenigen, dafür aber sehr großen Einspeisern und vielen kleinen Abnehmern, so lange kann mit dem Argument der Netzstabilität und dem Schreckgespenst des Blackouts Stimmung gegen Mitbewerber gemacht werden.

Doch was resultiert aus diesem zentralistischen Ansatz? Ablehnung in der Bevölkerung! Werden große Offshore-Windparks gebaut, statt in Süddeutschland den Onshore-Wind auszubauen, müssen Trassen für den Netzausbau von Norden nach Süden durch das ganze Land geschaffen werden. Und welcher Anwohner begrüßt so etwas schon. Werden Kohlekraftwerke mit CCS ausgestattet, werden weiterhin Braunkohletagebaue benötigt, die immense Landstriche verwüsten. Dazu müssen aber die Bewohner der Reviere umgesiedelt werden und es erfolgen immense Einschnitte in die Natur. Auch muss das abgeschiedene Kohlendioxid im Untergrund verpresst werden. Und auch diese Aussicht stößt bei vielen Anwohner auf Ablehnung, teilweise ruft sie sogar schiere Angst hervor.

Daher sollten die Menschen an der Energiewende beteiligt werden. Und das aus mehreren Gründen. Zum einen kann man das Windrad, das der eine schön findet, der andere es aber für eine Verschandelung der Landschaft hält, besser akzeptieren, wenn es den eigenen Strom produziert. Die Menschen müssen sehen, wie Energie produziert wird. Strom kommt eben nicht aus der Steckdose. Zum anderen fällt es den Bürgern noch einmal leichter, ein Windrad zu akzeptieren, wenn sie selbst damit Geld verdienen. Das haben bereits vielfach die Bürgerenergiegenossenschaften gezeigt.

Ein weiteres Argument, dass vielen Menschen nicht klar ist, was aber daher unbedingt kommuniziert werden muss, ist das der kommunalen Steuereinnahmen.  Ein Windrad sorgt in der Kommune, auf deren Boden es steht, für Einkommenssteuer. Statt also mit der Stromrechnung den Aktionären eines großen, anonymen Konzerns die Dividende zu sichern, wird mit der Energieerzeugung vor Ort die eigene Rendite der Anteile der Energiegenossenschaft erhöht und außerdem der Steuertopf der Kommune vergrößert.

Nicht in der Nordsee, nicht in der Lausitz, nicht in Nordafrika muss die Energiewende stattfinden. Sondern direkt vor unserer Haustür! Dort muss unser Windrad stehen und unsere Solaranlage muss auf dem Dach installiert sein. Dort muss man seine Gartenabfälle zur Sammelstelle bringen, damit sie an die Biogasanlage verfüttert werden können. Nur so können wir unsere Strukturen fit machen für die Zukunft, und das, ohne dass einigen Wenigen die Last Vieler aufgebürdet wird. Wer möchte schon gern das Kohlekraftwerk für den Rest der Nation im Vorgarten stehen haben. Nur wenn jeder seine eigene Last trägt und diese Last auch noch positive Effekte für ihn hat, schaffen wir die benötigte Akzeptanz. Die muss die Energiewende überall stattfinden!

Atomkraft spart Kohlenstoffdioxid?

In den letzten Wochen hörte man oft, dass durch ein zu rasches Abschalten der Kernkraftwerke immense Mengen Klimagase ausgestoßen würden. Dazu nur eine kleine Anmerkung: Durch den Emissionshandel wird in der gesamteuropäischen Klimabilanz keine Tonne Treibhausgas mehr ausgestoßen. Höchstens an einem anderen Ort. Tatsache ist aber, dass die großen Vier zukünftig die Zertifikate für die Verschmutzung der Atmosphäre bezahlen müssen und sie nicht mehr geschenkt bekommen. Die Kosten sind schon seit Anbeginn des Zertifikatehandels im Strompreis enthalten, angefallen sind sie bisher aber nicht. Stattdessen schmälert dieser Schritt nun den Konzerngewinn. Da kommt das Angstargument Klimawandel ja gerade recht. Nur ist es leider falsch.

[Update] Gerade lese ich den Artikel „Der Himmel über dem AKW“ von Frank Drieschner. Ich muss leider sagen, dass dieser Artikel zu den schlechteren von Herrn Drieschner gehört. Hätte er sich mit dem Thema auch nur ansatzweise auseinander gesetzt statt fadenscheinige Argumente zu entkräften, wäre er auch auf den Emissionshandel gestoßen. Statt dessen macht er die Anti-AKW-Bewegung für bereits seit Jahren im Bau befindliche Kohlekraftwerke verantwortlich. Ich hoffe, dass in der nächsten ZEIT eine Gegenposition dazu enthalten ist.

Schneller Ausstieg?

Aktuell ist die Nachrichtenlage rund um das Moratorium ja sehr diffus. Mal ist das Moratorium bindend, mal rechtlich unwirksam. Mal bewegt sich die Regierung im rechtswidrigen Raum, mal demonstriert sie ihre Handlungsmacht gegenüber den Atomkonzernen. Mal werden zwei Reaktoren endgültig vom Netz genommen, mal sind es derer schon fünf. Niemand weiß etwas, vor allem nichts genaues.

Ein Punkt wird bei der Betrachtung möglicher Ausgestaltungen und Auswirkungen des Moratoriums jedoch nicht bedacht, nämlich die Reststrommengen. Die Restlaufzeiten der Reaktoren werden nicht in zeitlicher Einheit, sondern in der Menge des noch zu produzierenden Stroms angegeben. Die Restlaufzeit berechnet sich somit immer aus der Reststrommenge geteilt durch die Reaktorleistung. Wenn ein Reaktor also eine gewisse Zeit keinen Strom abgibt, wird dadurch auch seine Reststrommenge nicht vermindert. Geht ein Reaktor vom Netz, kann darüber hinaus seine Reststrommenge auf andere Reaktoren übertragen werden. Dies ist dann rechtmäßig, wenn der Zielreaktor neuer ist als der vom Netz gegangene. Und da es sich bei den aktuellen Kandidaten fast ausschließlich um die ältesten vorhandenen Meiler handelt, wird wahrscheinlich jede noch so kleine Kilowattstunde Reststrommenge auf die verbleibenden Meiler übertragen.

Doch was ergibt sich daraus? Zum einen gehen den Atomkonzernen quasi keine Gewinne verloren, da ja auch kein Produktionsausfall auftritt. Lediglich der Ort und die Zeit der Produktion wird verschoben. Vielmehr wird noch eine Gewinnsteigerung betrieben, da weniger Reaktoren sicherheitstechnisch nachgerüstet werden müssen, sofern dies auf Grund des neueren Baujahres nicht sowieso schon obsolet ist. Darüber hinaus wird den Atomkonzernen und der Regierung eine Argumentationshilfe an die Hand gegeben. Man kann sich nun damit brüsten, man habe in einer Notsituation X unsichere Meiler vom Netz genommen.

Alles in allem kann man also nur dann von einem Schritt in Richtung Ausstieg sprechen, wenn etwas an den Reststrommengen geändert wird. Und dies werden die Atomkonzerne nicht so billigend hinnehmen wie die aktuelle Diskussion.

[Update] Ich fühle mich bestätigt: Die Mär vom teuren Moratorium

Was soll man davon halten?

Nachdem in den vergangenen Tagen eine Diskussion über die Sicherheit von Atomkraftwerken vehement verweigert wurde, wird nun plötzlich die Laufzeitverlängerung für drei Monate ausgesetzt. Während dieser drei Monate sollen alle Reaktoren auf ihre Sicherheit überprüft werden. Die Reaktoren Neckarwestheim 1, Isar 1 und Biblis A  dagegen werden aller Voraussicht nach endgültig abgeschaltet. Aus der “Brückentechnologie” wird klammheimlich eine “auslaufende Technologie”. Statt dessen soll nun verstärkt in erneuerbare Energien investiert werden.

Doch was soll man von diesem Reaktionismus halten? Ist dies der klägliche Versuch, zu retten, was noch zu retten ist? Will man also nur die eigene Laufzeit verlängern? Oder ist es tatsächlich ein Umdenken?

Sicherheit

Fangen wir mit der Prüfung der Sicherheit an. Innerhalb der nächsten drei Monate sollen alle Reaktoren geprüft werden. Warum sind die Reaktoren überhaupt am Netz, wenn man nicht weiß, ob sie sicher sind. Wurde nicht immer betont, Sicherheit ginge über alles? Zusätzliche Prüfungen werden wohl kaum stattfinden können. Zum einen ist noch gar nicht klar, was in Japan alles zu den aktuellen Problemen beiträgt und zum anderen lassen sich solche Prüfkataloge nicht in einer Nacht- und Nebelaktion erweitern. Auch dies muss sorgfältig geplant werden. Diese Sicherheitsprüfung wird also als Ergebnis haben, dass alle Meiler sicher sind. Hätte sie es nicht, wäre dies ein  grober Verstoß der Atomaufsicht. Es handelt sich bei diesem Punkt also um Augenwischerei.

Moratorium

Der zweite Punkt ist das dreimonatige Moratorium. Im Superwahljahr 2011 finden nach aktuellem Stand der Dinge sechs Landtagswahlen statt. Die Bürgerschaftswahl in Hamburg ist bereits vorbei, sodass noch fünf anderen Wahlen bleiben. Am 20. März wird in Sachsen-Anhalt gewählt, am 27. März in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg, am 22. Mai ist Bürgerschaftswahl in Bremen und am 4. September wird in Mecklenburg-Vorpommern gewählt. Innerhalb des Moratoriums werden also vier der anstehenden fünf Wahlen liegen. Besonders wichtig ist dabei die Wahl im CDU-Stammland Baden-Württemberg. Somit wird die Entscheidung, nach Ablauf des Moratoriums alles beim altem zu belassen, nur noch die Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern beeinflussen. Und dort hat die CDU sowieso keine gute Ausgangsposition, sodass dies verschmerzbar wäre. Das Moratorium scheint daher auch eher Wahltaktik als wirkliches Umdenken zu sein.

Abschaltung

Kommen wir zum dritten Punkt, der Abschaltung der Reaktoren. Zum einen kann man diesen Schritt nur begrüßen. Endlich gehen drei von 17 Gefahrenquellen vom Netz. Allerdings bleiben noch immer 14 weitere, vor allem solche Pannenreaktoren wie Krümmel oder solche in Erdbebengefährdeten Regionen wie Philippsburg im Oberrheingraben. Doch der Schritt zur Abschaltung ist noch aus ganz anderen Gründen interessant. Bisher hieß es, die deutschen AKWs seien sicher. Warum schaltet man sie nun ab? Sind sie doch nicht so sicher, wie man immer behauptet hat?

Blackout

Ein viel zitiertes Argument war außerdem, dass ohne AKWs eine Stromlücke entstünde. Die Befürworter der Atomkraft sprachen vom Blackout und erzeugten damit eine unbegründete Panik in der Bevölkerung, während ihre selbst berufenen Experten ihnen vorrechnete, dass sieben der 17 Reaktoren problemlos abgeschaltet werden können. Umweltverbände gingen gar einen Schritt weiter und sprachen von der Vollversorgung aus regenerativen Quellen. Dies ist mittlerweile durch zahlreiche Studien belegt. Man fragt sich also, warum plötzlich Reaktoren abgeschaltet werden. Und warum drei?

Machterhalt

Ein Detail am Rande. Vattenfall verfügt nur über Anteile an zwei Reaktoren, die übrigen sind in der Hand von RWE, EnBW und E.ON. Und jeder der drei Konzerne gibt einen Reaktor ab. Jeder der drei Konzerne gibt seinen ältesten Reaktor ab. Es werden nicht die ältesten drei Atomkraftwerke stillgelegt, es werden nicht die am schlechtesten gewarteten Atomkraftwerke stillgelegt, es werden auch nicht die pannenanfälligsten Atomkraftwerde stillgelegt, es werden nicht die berüchtigtsten der Baulinie 69 stillgelegt, sondern jeweils das älteste eines jeden Konzerns. Immer schön das Gleichgewicht im Oligopol aufrecht erhalten. RWE legt Biblis A still, EnBW Neckarwestheim1 und E.ON Isar 1.

Investitionen

Bleibt noch die Ankündigung, nun verstärkt in erneuerbare Energie zu investieren. Warum muss erst ein Unglück wie das in Japan passieren, damit  man erkennt, dass die Atomkraftgegner die ganze Zeit recht hatten? Warum erkennt man erst jetzt, dass regenerative Energiequellen erneuerbare Energie in bezahlbarem und ausreichendem Maß bereitstellen können und vor allem unschädlich für die Gesundheit sind? Ist es in Anbetracht der Gefahren nicht mehr vertretbar, der Atomlobby jeden Wunsch zu erfüllen?

Wie soll man in Anbetracht dieser Umstände der Regierung glauben schenken? Ich wünsche mir, dass es dieses Mal ernst ist und es nicht in drei Monaten zurück zu alten Gewohnheiten geht. Wir haben die Chance, unsere Energieversorgung auf eine für den Menschen gesunde und für die Umwelt unschädliche Art umzustellen. Lasst sie uns nutzen!

Abschalten! Jetzt!

Mitgefühl

…scheint etwas zu sein, was der NRW-CDU vollständig fehlt. Der Kreisverbandsvorsitzende der Jungen Union, André Jung, ließ sich zu Beginn des Landesparteitags der CDU in Siegen angesichts der Anti-Atom-Demonstranten zu folgendem Statement hinreißen:

Wir sind auch gegen Erdbeben!

Eine weitere (namentlich nicht bekannte) Delegierte ging gar noch einen Schritt weiter und unterstellte den anwesenden Vertretern der Grünen:

Das kommt ihnen doch sehr entgegen. Jetzt haben sie wieder was zum ausschlachten.

Ich bin bestürzt über so viel Zynismus. Es geht niemandem darum, etwas auszuschlachten. Und diese Katastrophe kommt auch niemandem entgegen. Vielmehr muss ein solches Unglück zur Reflektion des eigenen Handelns anregen. Eine Technologie, die so unbeherrschbar ist und solche Katastrophen anrichten kann, gehört verbannt. Und schon gar nicht sollte sie durch eine Partei gefördert werden, die so viel Aufheben um ihr christliches Werteverständnis macht.

Oettinger hat Angst vor rechtsdrehenden Elektronen

Der EU-Energiekommissar Günther Oettinger stammt ja aus einem energiepolitisch öden Umfeld. Dass er kein Freund der sauberen Energien ist, hat man ja bereits zu seiner Zeit als Ministerpräsident von Baden-Württemberg erkennen können. Schade, dass er diese verengte Sichtweise als Energiekommissar nicht abgelegt hat. Denn gestern hat er die Erhöhung des Reduktionsziels von derzeit 20% auf 30% bis zum Jahre 2020 abgelehnt. Mit der Begründung, die würde zu einer Industrieflucht in asiatische Länder führen. Der Zusammenhang ist mir nicht klar, daher führe ich diese Äußerung auf die Lobbyarbeit des baden-württembergischen Energiekonzern EnBW zurück.

Aber vielleicht ist es ja auch ganz anders. Vielleicht hat Oettinger Angst vor linksdrehenden Elektronen. Könnte ihm mal jemand sagen, dass die Energie aus erneuerbaren Quellen sich nicht linksherum dreht. Und auch die aus fossilen Kraftwerken dreht sich nicht rechtsrum. Es gibt keinen Unterschied. Unsere Industrie ist kompatibel! Ich musste mir auch keinen neuen Staubsauer kaufen, als ich meinen Stromanbieter gewechselt habe. Der funktionierte einfach weiter.

Brüderle stärkt die „Wirtschaft“ – Und schwächt den Mittelstand

In einer kürzlich veröffentlichten Pressemitteilung des Bundeswirtschaftsministerium wird Brüderle wie folgt zitiert:

Angesichts des Photovoltaik-Booms wird es immer dringlicher, dass bei drohenden Netzengpässen die Einspeisung von PV-Strom in das Stromnetz abgeregelt werden kann. Sonst müssen wir bei sonnigem Wetter einen Netzausfall befürchten. Das würde nicht nur für die Volkswirtschaft einen erheblichen Schaden bedeuten, sondern auch für die Akzeptanz der Erneuerbaren Energien. Ich habe mich daher entschieden dafür eingesetzt, dass PV-Anlagen in das Einspeisemanagement einbezogen werden.

Nun dachte ich bisher, unser Wirtschaftsminister wolle den Mittelstand stärken. Heißt er doch Mister Mittelstand. Jetzt aber hat er sich vergallopiert. Denn das von ihm in seinem Zitat angesprochene Netzmanagement bestärkt nicht den Mittelstand, sondern es verhindert mittelständische Investitionen. Dafür ermöglicht es den großen Übertragungsnetzbetreibern, den überfälligen Netzausbau weiter schleifen zu lassen. Statt das Netz für die dringend benötigten erneuerbaren Energien, in die der Mittelstand so immens investiert, vorzubereiten, wird statt dessen der Gewinn der multinationalen Oligopolisten gesichert. Diese investieren nämlich nur im Ausland in erneuerbare Energien, zum Beispiel Windkraft an der schottischen Küste, oder Fotovoltaik in der Sahara, weil sie dort nicht ihre eigenen Netze ausbauen müssen. Statt dessen können sie Druck auf den dortigen Netzbetreiber (die ja gleichzeitig Wettbewerber sind) ausüben und auch noch Greenwashing betreiben. Das täuscht aber nicht darüber hinweg, dass in Deutschland 90% der Investitionen in regenerative Energien aus dem privaten Sektor, also Privatpersonen ober Betreibergemeinschaften, oder eben dem Mittelstand kommt.

Doch was hat Brüderle denn da ausgeheckt? Die Sache ist so: Wenn in Deutschland in einer Region viel Windstrom anfällt oder eben auch viel Sonnenstrom, dann muss dieser Strom in andere Regionen transportiert werden, da wo er gerade verbraucht wird. Außerdem müssen dann Kraftwerke gedrosselt werden. Dies ist auf den ersten Blick ja alles in Ordnung. Aber es gibt zwei Probleme. Die deutschen Übertragungsnetzbetreiber haben ihre Netze nicht für die erneuerbaren Energien fit gemacht. Sie sagen immer, sie bräuchten mehr Zeit. Das Thema Erneuerbare Energien ist aber nicht neu. Auch der Netzausbau wird schon seit Jahren angemahnt. Was haben die Netzbetreiber denn in all den Jahren gemacht? Der zweite Punkt ist, dass die großen Kratwerksbetreiber ihre trägen Kraftwerke nicht drosseln können und wollen. Denn dann verdienen sie damit kein Geld mehr. Also kappt man lieber den Solaranlagen den Netzzugang, damit deren Strom nicht „die Netze instabil macht“. Die Netze, die bewusst nicht ausgebaut wurden und bewusst von Großkraftwerken vollgestopft. Nun gibt es aber für die erneuerbaren Energien einen Einspeisevorrang. Wenn also Windstrom da ist, müssen die Netzbetreiber diesen kaufen. Sind ihre Netze aber überlastet, trennen sie die Windräder vom Netz. Müssen den nicht abgenommenen Strom aber trotzdem bezahlen. Dazu gibt es zwei Lösungen. Entweder baut man die Netze aus. Oder man schafft den Einspeisevorrang ab. Und letzteres machen sie gerade für den Solarstrom. Dann können die Netzbetreiber einfach die Solaranlagen abschalten, wenn sie ihre Kohle- und Atomkraftwerke hochfahren.

Die Angst vor dem Blackout ist im sicherheitsliebenden Deutschland übrigens noch immer ein Killerargument. Dabei habe wir eines der besten Netze weltweit. Allerdings nur von den großen Klimasündern, den Kohlekraftwerken, in die Industrieregionen. Den Blackout muss aber niemand fürchten. Noch weniger müsste man ihn fürchten, wenn die Netzbetreiber endlich ihre Netze ausbauen würden. Aber so lange man damit nicht anfängt, kann man den Blackout, der durch die nicht ausgebauten Netze irgendwann wirklich mal droht, ja weiterhin als Argument dazu benutzen, die sauberen Energieträger nicht an dass Netz zu lassen. Aber Gewinne machen sie weiter. Denn der Endverbraucher zahlt den Netzausbau seit Jahr und Tag mit jeder verbrauchten Kilowattstunde.

Selbst ist das Dorf

Ich bin ja ein entschiedener Freund des Selbermachens. Nur wenig ist schlimmer, als immer nur von Anderen, am besten von der Politik etwas zu fordern. Daher bin ich immer wieder über Initiativen erfreut, die die lokale Energiewende selbst gestalten, ohne lange Forderungen zu stellen. So ist es auch gerade geschehen. In Meschede-Wallen, einen kleinen Dorf im Sauerland. Dort haben sich 90 Haushalte zu einer Genossenschaft zusammengeschlossen, um ein lokales Fernwärmenetz aufzubauen, welches mit dem Biogas eines örtlichen Bauern befeuert wird. Lokale Energiewende in Reinkultur, und auch die Investitionskosten bleiben in der Region. So kann man den großen Energiekonzernen noch ein Schnippchen schlagen.