Klimapolitik aus dem Blickwinkel der Commons

Bisher habe ich die globale Klimapolitik im Speziellen, aber auch die Umweltpolitik im Allgemeinen so angesehen, als wäre es eine völlig neue Herausforderung für die Menschheit. Schließlich sind Probleme mit globalen Ausmaßen noch nicht sehr alt. Als erstes, globales Ereignis werte ich den Beginn der Weltwirtschaftskrise 1929. Alle vorhergehenden Ereignisse, selbst die Pest, waren während eines diskreten Zeitraums immer lokal begrenzt.

Das erste globale Umweltproblem ist demnach die Entdeckung des Ozonlochs Mitte der 1980er Jahre. Bereits 1989 ratifizierten 195 Staaten das Montrealer Protokoll, womit der Einsatz von ozonschädigenden Chemikalien verboten wurde. Gemessen am globalen Ausmaß des Problems wurde erstaunlich schnell eine international verbindliche Einigung erzielt. Die kurze Verhandlungsdauer ist wahrscheinlich auch darauf zurückzuführen, dass die verbotenen Chemikalien weder lebensnotwendig noch wohlstandsschmälernd waren und schnell durch Substitute ersetzt werden konnten.

Vor diesem Hintergrund ist der Klimawandel ein Problem ganz anderen Ausmaßes. Denn hier geht es nicht um Treibmittel in Spraydosen oder Kältemittel in Klimaanlagen. Vielmehr sind hier nahezu alle Bereiche des täglichen Lebens betroffen. Energiegewinnung aus fossilen Energieträgern trägt ebenso zur Klimaerwärmung bei wie die industrielle Landwirtschaft, die Reisegewohnheiten, beispielsweise mit Auto und Flugzeug, aber auch die Konsumgewohnheiten. Damit Äpfel auch im Winter angeboten werden können, müssen diese entweder von der Südhalbkugel zu uns geschafft werden oder sie wurden über Monate hinweg in Kühlhäusern gelagert. Der eine Apfel verursachte beim Transport Triebhausgase, der andere bei der Lagerung. Allgemein ist also festzuhalten, dass durch die extreme Menge an Ursachen das Problem des Klimawandels in solch schwierig zu lösendes Problem ist wie kein anderes zuvor.

Steht man nun als Neuling in der Umweltpolitik vor diesem riesigen Problemberg, wird man förmlich erschlagen von Detaillawinen. Jedes Land, jeder Staatenbund, jede Organisation verfolgt eigene Ziele, fördert eigene Ideen und Projekte, stellt andere Ansprüche an andere Länder, Staatenbünde, Organisationen. Jede Woche werden neue wissenschaftliche Erkenntnisse veröffentlicht. Da bekommt man schnell den Eindruck, dass dies ein Problem ist, dem man eigentlich nicht Herr werden kann. Oder wurde überhaupt in einer anderen wissenschaftlichen Disziplin bisher ein Problem solcher Tragweite behandelt? Bis gestern hätte ich diese Frage verneint.

Commons

In Post Nichts ist von Natur aus Gemeingut: Zur Commonsdebatte bei Linksnet von Silke Helfrich im CommonsBlog stellt sie einen interessanten Sachverhalt dar. Doch kurz ein paar einführende Worte. Commons sind Gemeingüter, also Güter, die einer Gemeinschaft zur freien Verfügung stehen. Ist zum Beispiel eine Dorfwiese, die mehrere Schäfer für ihre Schafherde nutzen. Auf den ersten Blick erschließt sich der springende Punkt nicht, daher will ich die Nutzung der Wiese etwas beschreiben. Die Schäfer gehen nicht einfach dann auf die Wiese, wenn sie Lust haben, sondern sie müssen sich untereinander abstimmen, wer wann auf die Wiese geht. So ist für alle Schäfer gewährleistet, dass seine Schafe nicht verhungern. Schert einer aus diesem System aus und lässt seine Schafe die Wiese leer fressen, stehen alle anderen Schäfer auf dem kahlen Boden. Commons müssen aber nicht nur gemeinsam genutzte Güter sein, sondern können durchaus auch Ansprüche an ihre Nutzer stellen. So könnte die Dorfwiese beispielsweise über einen Zaun verfügen, der von den Schäfern instand gehalten werden muss. Wird der Zaun nicht gepflegt, kann die Wiese nicht genutzt werden.
Beiträge zu Commons kommen mir immer wieder unter und ich lese sie auch immer mit großen Interesse. Allerdings habe ich selbst noch keinerlei Gedankenspiele in Ihre Richtung vorgenommen. Bis mir gestern besagter Artikel unterkam:

[..]Doch nichts wird schon einfach dadurch zum Gemeingut, dass man die Eigentumsform ändert. Commons müssen gepflegt werden.
In gleicher Weise ist nichts ›von Natur aus‹ Gemeingut, wie Gehrig erneut treffend zitiert. Aber sehr wohl gibt es Ressourcen, die aus guten Gründen allen bzw allen Mitgliedern einer bestimmten community zustehen (s.u.). Die Frage ist: Können wir das auch einlösen? Schaffen wir es, sie zum Commons zu machen (bei der Atmosphäre ist das bislang grandios mislungen. Die einen übernutzen sie, die anderen saufen ab. Der Neue Griff nach Land weist auch in die Gegenrichtung. Unzählige Beispiele könnte man hier anführen.) [..]

Hier wird die Atmosphäre als Common bezeichnet. Auf den ersten Blick war ich ob des Satzes etwas verwundert. Bei näherer Betrachtung bekommt diese Sichtweise jedoch eine interessante Tragweite. So wird zum einen schlagartig die Globalität des Problems klar, wenn man es aus der Perspektive eines Gemeinguts betrachtet. Zum anderen besteht hier die wunderbare Möglichkeit, die Erkenntnisse der Commonsforschung auf die Umweltpolitik zu übertragen. Es besteht also die Möglichkeit, das große Problem des Klimawandels auf das grundlegende Fundament der Commons zu stellen.

Ich werde Commons in Zukunft wohl stärker in den Fokus nehmen. Vielleicht lässt sich das ein oder andere Konzept auf die Umweltpolitik übertragen. Vielversprechend ist es auf jeden Fall.