Psychotherapie nach Zalando

Manchmal frage ich mich, was Zalando mit dieser absolut nervigen Werbung bezweckt. Schrei vor Glück und so. Denn ich beobachte bei mir, dass die Werbung dazu führt, dass ich niemals etwas bei Zalando kaufen werden. Das gleiche Ergebnis bewirkt auch die Werbung von Seitenbacher. Auch so ein Fall. Ich glaube, in psychologischer Fachsprache nennt man das Aversionstherapie, also eine Therapie, die durch das Setzen negativer Reize ein bestimmten Verhalten unterdrücken will. Aber das kann doch nicht ernsthaft deren Ziel sein. Ist Werbung nicht dazu da, dass Leute ein Produkt von einem Hersteller kaufen, statt sich von ihm abzuwenden? Daraus folgert, dass ich nicht normal bin, wobei ich normal definiere als nicht der Mehrheit entsprechend. Und der Zustand des nicht normal Seins wird ja allzu oft als krankhafter zustand beschrieben. Ich bin also krank. Und wahrscheinlich wirkt die Werbung dadurch als Therapie bei mir, nur halt eben mit falschem Vorzeichen.

Vor einiger Zeit kam mir dann die Idee, dass es sich vielleicht gar nicht um einen Fall der Aversionstherapie handelt, sondern viel mehr um einen Fall der klassischen Konditionierung, was ja nach meinem laienhaften Verständnis nichts weiter ist als das Gegenteil der Aversionstherapie. Das wiederum würde auch bedeuten, dass nicht ich krank bin, sondern alle anderen. Denn bei mir wirkt die Therapie ja nicht, daher vermute ich, dass sie auf die anderen abzielt. Da sich immer noch gesendet wird, vermute ich weiter, dass die Anderen, bei denen eine gegenteilige Wirkung als bei mir erwartet wird, in der Mehrheit sind. Sonst würde die Werbung ja die Mehrheit der Kunden vergraulen. Daraus lässt sich nun schließen, dass Zalando meint, dass die Mehrheit der Menschen krank ist und daher einer Therapie bedarf.

Nennt man diese Krankheit womöglich Kaufangst? Ist Werbung dann im allgemeinen eher Therapie statt Marketing? Ist Kaufangst ansteckend? Und gibt es schon Selbsthilfegruppen?

Kleiner fun fact am Rande: Sucht man per Bing nach Seitenbacher, findet man als Unterpunkt der offiziellen Website von Seitenbacher den Punkt “wer hasst es nicht? Seitenbacher Müsli Werbung”. Klickt man drauf, bekommt man einen 404. Das war den Therapeuten dann wohl doch zu hart, als dass man es dem Patienten hätte zumuten können.

Weiterer fun fact: Der Wikipediaartikel von Seitenbacher dreht sich mehr um deren Werbung als um die Firma oder deren Produkte.

Und noch ein wenig Selbstreflexion: Vielleicht bin ich doch krank und die Werbung therapiert mich tatsächlich. Schließlich schreibe ich drüber und diene somit als Verstärker.Vielleicht sollte ich den besagten Unternehmen diese Dienstleistung auch in Rechnung stellen? Das wäre doch mal eine ganz neue Geschäftsidee.

2 Gedanken zu „Psychotherapie nach Zalando

  1. Mal drüber nachgedacht, ob mit einem anderen Fokus das Problem nicht einfacher zu lösen ist?
    z.B. mit dem Verzicht auf privates, werbefinanziertes Fernsehn? ;)

    • Ich glaube nicht, dass man sich dem so einfach entziehen kann. Ich bin ja nicht allein auf der Welt…

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