Die NSA-Affäre und ihre Folgen

Ob es sich bei der NSA-Affäre um eine Affäre handelt oder um etwas anderes, soll hier nicht behandelt werden, auch wenn das durchaus eine interessante Frage ist. Mir ist eine andere Tatsache aufgefallen, deren kausalen Zusammenhang zu ebendieser NSA-Affäre ich nicht belegen kann, die Vermutung sich aber aufdrängt.

Ich bin seit einigen Jahren Mitglied der Organisation CACert. Ziel dieser Organisation ist es, ein Vertrauensnetzwerk aufzubauen. Dies ist nötig, um Informationen verschlüsselt zwischen Personen auszutauschen, ohne dass diese Personen sich direkt kennen. Hier tritt das Problem auf, dass man nicht sicher sein kann, ob beispielsweise eine Mailadresse zu einer bestimmten Person gehört. Es sei denn, man kennt die Person. Da man aber nicht jedes Mal, wenn man mit einem Menschen elektronisch in Kontakt treten möchte, diesen erst real kennenlernen möchte, besteht das Problem, dass man darauf vertrauen muss, dass die Mailadresse zu ebendieser Person gehört. Doch dieses Vertrauen entbehrt jeglicher Grundlage.

Hier kommt CACert ins Spiel. CACert ist ein Netzwerk aus Menschen, die sich teilweise kennen. Jeder kennt einige wenige Andere und kann bestätigen, dass diese Anderen die Besitzer bestimmter Mailadressen sind. Und zwar wechselseitig. Diese Anderen kennen ihrerseits wieder einige Andere, denen sie vertrauen, und so geht es immer weiter. Es entsteht ein Vertrauensnetzwerk. Einfach dargestellt: Ich vertraue dir, du vertraust deinem Freund, also vertraue ich deinem Freund. Ganz so simpel ist es natürlich nicht, aber auch nicht wirklich viel komplexer.

Dieses Prinzip bedeutet nun, dass die Mitgliedschaft in diesem Netzwerk den Vorteil hat, dass alle anderen Mitglieder des Netzwerks meine digitale Identität in Form einer E-Mailadresse anerkennen. Ohne eine direkte Bekanntschaft. Und diese Anerkennung ist für die verschlüsselte Kommunikation wichtig.

Bemerkenswert aus meiner Sicht sind nun zwei Dinge. Zum einen habe ich seit der NSA-Affäre so viele Anfragen von Leuten bekommen, die in das Netzwerk aufgenommen werden wollen, wie in den ganzen sieben Jahren davor. Das finde ich insofern bemerkenswert, als dass es scheint, dass die NSA-Affäre bei einigen ein Bewusstsein geschaffen hat über das, was im Internet passiert. Zum anderen ist für mich bemerkenswert, dass seit der NSA-Affäre drei Menschen in das Netzwerk aufgenommen werden wollten. So wie ich mich über die Bewusstseinsschaffung freue, so bin ich doch enttäuscht, dass es nur drei sind. In einem Einzugsgebiet von ca 300.000 Menschen.

Es stellen sich mir daher die Fragen: Ist die ganze mediale Berichterstattung vollkommen am Interesse der Menschen vorbei? Oder interessiert es die Menschen, und sie schimpfen auf die bösen Geheimdienste, schaffen es aber nicht, sich selbst mal für etwas einzusetzen, und sei es auch nur für die Vertraulichkeit der eigenen Kommunikation? Oder ist es sogar so, dass die ganze mediale Berichterstattung lediglich von mir wahrgenommen wird, da ich mich diesem Thema verbunden fühle und daher die entsprechenden Medien verfolge, in den “normalen Medien” dafür das Thema einfach nicht behandelt wird?

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