Der heilige Gral der Energiebranche

Die Kernfusionsforschung ist seit Jahrzehnten der heilige Gral der Energiebranche. Mit dem “Sonnenfeuer auf Erden” soll das Energieproblem der Menschheit gelöst werden. Anfänglich verbreitete die Aussicht auf eine nahezu unerschöpfliche Energiequelle gehörige Euphorie. So avisierten die Forscher bereits in den Siebzigern, in 30 bis 40 Jahren mit Hilfe der Kernfusion den Energiebedarf der Menschheit zu decken. Doch nach Jahrzehnten der Forschung macht sich langsam Ernüchterung breit. Heute geht man davon aus, dass nicht vor 2050 mit nennenswerten Beiträgen zur Energieversorgung zu rechnen ist. Ein gewisses Maß an Skepsis scheint angebracht.

Vor dem Hintergrund der eingeleiteten Energiewende stellt sich darüber hinaus die Frage, ob es sinnvoll ist, Milliarden in eine Technologie zu investieren, deren Nutzen auf absehbare Zeit nicht erschlossen werden kann. Im Best Case ist die Kernfusion 2050 verfügbar. Das ist das Jahr, in dem Deutschland 80% seines Energiebedarfs mit Hilfe der erneuerbaren Energien decken will. Braucht man dann für die restlichen 20% noch die Kernfusion? Vor allem, wenn man den Anteil der erneuerbaren Energien noch weiter auf 100% steigern möchte? Und das ist nur der Idealfall. Schreibt man die Prognosen über die wirtschaftliche Nutzung der Kernfusion fort, so wird im Jahre 2050 die wirtschaftliche Nutzung ab 2090 prophezeit.

Das Geld, welches hier für scheinbar überflüssige Forschung ausgegeben wird, ließe sich sicherlich besser für die Energiewende einsetzen. Gegenwärtig geht das staatlich angefachte Gespenst der 5 Cent Einspeisevergütung um. Von vielen Seiten wird gegen die erneuerbaren Energien gehetzt. Dabei sind es doch gerade die Erneuerbaren, deren Subventionen als einzige öffentlich sind. Weder die Staatshilfen für die Atomenergie noch die Vergünstigungen der EEG-Umlage für Tierfutterhersteller ist öffentlich bekannt. Auch die Freistellungen von der Zahlung der Netzentgelte ist nicht zugänglich.

In dieser Debatte ist die Nachricht, dass die Zahlungen für den Kernfusionsreaktor ITER eingestellt werden, eine positive Neuigkeit. Regt sich dadurch doch die Hoffnung, dass zukünftig die Kernfusionsforschung nicht mehr mit der Vision verfolgt wird, damit die Energieprobleme der Menschheit zu lösen. Ob dies jedoch auch so eintritt, oder ob es sich hier nur um eine kleine Verschiebung der Forschungsaktivitäten handelt, bleibt abzuwarten.

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  1. From Gründenker - Kein Geld mehr für ITER on 25 Nov 2012 at 16:15

    [...] Zuneigung zum Kernfusionsforschungsreaktor ITER habe ich ja bereits Tribut gezollt. Umso erfreulicher war für mich die Nachricht, dass das Bundesforschungsministerium keine [...]

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